{"id":216,"date":"2012-01-01T21:02:00","date_gmt":"2012-01-01T19:02:00","guid":{"rendered":"http:\/\/w344he556.homepage.t-online.de\/word\/?p=216"},"modified":"2016-05-27T15:51:51","modified_gmt":"2016-05-27T13:51:51","slug":"planung-einer-bahnverbindung-nach-cladow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kladower-forum.de\/?p=216","title":{"rendered":"Planung einer Bahnverbindung nach Cladow"},"content":{"rendered":"<h5>Auch wenn im 21. Jahrhundert Kladow immer noch keine Bahnverbindung hat, so gab es dennoch Pl\u00e4ne fr\u00fcheren Zeiten.<\/h5>\n<h4>1890er<\/h4>\n<p>Als in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts Cladow als Ausflugsziel und Siedlungsort entdeckt wurde, begannen auch bald \u00dcberlegungen zu einer angemessenen Verkehrsanbindung. Besonders vielf\u00e4ltig waren im Laufe der folgenden Jahrzehnte die Planungen, die sich mit einem m\u00f6glichen Schienenverkehr besch\u00e4ftigten. Die amtlichen Unterlagen zeigen eine bunte Mischung aus Utopie und Realismus. Am 24.1.1898 schlug der Landrat des Kreises Osthavelland in Nauen ein Bahnprojekt zur Verbindung der St\u00e4dte Spandau und Potsdam vor. Die Strecke sollte in Cladow \u00fcber den Krampnitzer Weg nach Nedlitz f\u00fchren.<!--more--><\/p>\n<p>Vorgesehen war f\u00fcr die Linie Spandau &#8211; Nedlitz eine Stra\u00dfenbahn mit Dampfbetrieb, von Nedlitz nach Potsdam sollte dann eine elektrische Stra\u00dfenbahn mit Akkumulatorenbetrieb fahren. Zwischen 7 und 22 Uhr waren t\u00e4glich 6 Fahrten im Abstand von 3 Stunden gedacht. Die Cladower h\u00e4tten so f\u00fcr 30 Pfg. entweder nach Potsdam oder nach Spandau fahren k\u00f6nnen. In ihrer Sitzung vom 3.6.1899 beschloss die Gemeindevertretung von Cladow einen Antrag auf Errichtung einer schmalspurigen Dampfbahn an den Kreisausschuss des Kreises Osthavelland zu stellen. Danach sollte die Bahnstrecke etwa \u00fcber den heutigen Schallweg gef\u00fchrt werden, weil der Bauer Carl H\u00f6now sich weigerte, Grundst\u00fccke in gr\u00f6\u00dferer Ortsn\u00e4he zur Verf\u00fcgung zu stellen. Auch die Anlage eines Bahnhofs war geplant.<\/p>\n<h4>1900er<\/h4>\n<p>Am 6.1.1901 teilte der Magistrat von Spandau der Gemeindevertretung Cladow mit, dass der zust\u00e4ndige Minister die Erlaubnis zu Vorarbeiten einer Eisenbahn von Spandau nach Cladow erteilt hatte. \u00dcber Ans\u00e4tze gedieh aber auch diese Planung nicht hinaus.<\/p>\n<p>Nach dem 1. Weltkrieg, am 6.8.1919, fand der Spandauer Magistrat den Bau einer Stra\u00dfenbahn nach Cladow sehr positiv, aber an eine Verwirklichung w\u00e4re zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. 1920 wurde Cladow aus dem Kreis Osthavelland ausgegliedert und mit Gatow und Spandau in Gro\u00df-Berlin eingemeindet. Damit gingen den Fachleuten die Ideen zur Schienenverbindung Spandau &#8211; Kladow aber nicht aus.<\/p>\n<h4>1920er<\/h4>\n<p>Schon am 28.11.1924 wurden Planungen f\u00fcr eine Schnellbahn nach Kladow zu Papier gebracht, aber genauso schnell wieder fallen gelassen. Am 29.11.1926 stellte f\u00fcr die Strecke Spandau &#8211; Kladow u. a. ein Herr Kruckenberg sein Projekt einer&#8220; Blitzbahn&#8220; vor, eine von Propellern angetriebene H\u00e4ngebahn mit einer Geschwindigkeit von 360 km pro Stunde. Eine ebenfalls vorgeschlagene Schnellstra\u00dfenbahn sollte immerhin auf 22,5 km pro Stunde kommen.<\/p>\n<p>Der Plan einer Normal-Eisenbahn wurde sofort wegen der Ausweisung der Orte Gatow und Kladow als reine Wohngebiete abgelehnt. Auch dem Vorschlag einer Schnellbahn, die von der Heerstra\u00dfe bis Gatow als Tunnelbahn gedacht war, wurde wenig Aussicht auf Erfolg einger\u00e4umt. Der Magistrat von Spandau sah ohnehin andere Strecken, z. B. von Ruhleben zum Rathaus, f\u00fcr vordringlicher an.<\/p>\n<p>Am 2.8.1927 besch\u00e4ftigte sich das St\u00e4dtebauamt Berlin mit verschiedenen Vorschl\u00e4gen. Dabei wurde auch ein \u00dcbergang \u00fcber die Havel bei Gatow er\u00f6rtert. Stadtrat Hahn wollte gerne die U-Bahn von Dahlem nach Kladow weiterf\u00fchren.<\/p>\n<h4>1930er<\/h4>\n<p>Das ausgereifteste Konzept f\u00fcr eine Stra\u00dfenbahnlinie entstand Mitte der drei\u00dfiger Jahre. Der Bau der Kasernen in Hottengrund, die Anlage des Flugplatzes Gatow, die Errichtung der Siedlungen f\u00fcr Arbeiter und Soldaten, nicht zuletzt die Verdoppelung der Einwohnerzahl Kladows innerhalb weniger Jahre dr\u00e4ngten nach einer angemessenen Verkehrsanbindung mit Spandau und Berlin.<br \/>\nDie Planungsunterlagen der BVG umfassten die Trassenf\u00fchrung auf der rechten Seite des Kladower Damms (von Spandau aus gesehen), die Ver\u00e4nderung des Stra\u00dfenprofils, Einrichtung der Haltestellen, Fahrpl\u00e4ne und Betriebskosten. Als Gesamtkosten waren 2,8 Millionen Reichsmark vorgesehen, davon 250.000 RM f\u00fcr Grundst\u00fccksank\u00e4ufe.<\/p>\n<figure id=\"attachment_217\" aria-describedby=\"caption-attachment-217\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/w344he556.homepage.t-online.de\/word\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Plan_der_Bahnkehrschleife_Kladow_1930.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-217 size-full\" src=\"http:\/\/w344he556.homepage.t-online.de\/word\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Plan_der_Bahnkehrschleife_Kladow_1930.jpg\" alt=\"Endpunkt mit Kehrschleife der geplanten Stra\u00dfenbahnlinie Pichelsdorf - Kladow 1936\" width=\"650\" height=\"429\" srcset=\"https:\/\/kladower-forum.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Plan_der_Bahnkehrschleife_Kladow_1930.jpg 650w, https:\/\/kladower-forum.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Plan_der_Bahnkehrschleife_Kladow_1930-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-217\" class=\"wp-caption-text\">Endpunkt mit Kehrschleife der geplanten Stra\u00dfenbahnlinie Pichelsdorf &#8211; Kladow 1936<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Dreieck zwischen Kladower Damm, Ritterfelddamm und heutigem Eichelmatenweg war die Endhaltestelle mit Kehrschleife geplant (s. Abb.). Das Bauamt Spandau begann mit Verhandlungen zum Erwerb der erforderlichen Grundst\u00fccke. Der 2. Weltkrieg setzte auch diesem Vorhaben ein Ende. Aber es gibt auch heute noch sichtbare Spuren. Der breite Streifen am Kladower Damm entlang des Flughafengel\u00e4ndes gegen\u00fcber dem Krankenhaus Havelh\u00f6he zeigt einen Teil der beabsichtigten Trassenf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Warum allerdings der heutige Mascha-Kal\u00e9ko-Weg (bis 1995 Stra\u00dfe 179) vom Wasserwerk bis zum Tor des ehemaligen Lehnschulzengutes Neukladow auf einer Karte von ca. 1934 in einem \u00fcberschw\u00e4nglichen Vorgriff &#8222;Bahnhofstra\u00dfe&#8220; hei\u00dft, kann nur vermutet werden. Hier sah der Bebauungsplan des Kladower Architekten Albert Ge\u00dfner von 1920 einen Bahnhof f\u00fcr seine Haveluferbahn vor, die dann bei Gatow durch einen Haveltunnel zum Grunewald gef\u00fchrt werden sollte.<\/p>\n<p><em>Rainer Nitsch<\/em><\/p>\n<p>Quellen: 1. Landesarchiv Berlin, Rep. 208, Acc. 2423, Nr. 9765 Verkehrsangelegenheiten Cladow 1898 \u00b71937 2. Landesarchiv Berlin, Rep. 208, Acc. 2500, Nr. 9827 Schnellbahn Berlin &#8211; Spandau &#8211; Kladow 3. Landesarchiv Berlin, Rep. 208, Acc. 2500, Nr. 9825 Bau einer Stra\u00dfenbahn nach Gatow &#8211; Kladow 4. Albert Ge\u00dfner: Vorschlag zu einem Bebauungsplan f\u00fcr Cladow an der Havel (1920), Original: Ulrich Sch\u00fctze 5. Geheimes Staatsarchiv Berlin, Allg. Kartensammlung A 50.156\/2 Westermanns Plan Gro\u00df-Berlin ca. 1934<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn im 21. Jahrhundert Kladow immer noch keine Bahnverbindung hat, so gab es dennoch Pl\u00e4ne fr\u00fcheren Zeiten. 1890er Als in den neunziger Jahren des 19. 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