{"id":235,"date":"2012-01-01T15:00:09","date_gmt":"2012-01-01T13:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/w344he556.homepage.t-online.de\/word\/?p=235"},"modified":"2016-04-26T15:10:17","modified_gmt":"2016-04-26T13:10:17","slug":"blitzbahn-nach-kladow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kladower-forum.de\/?p=235","title":{"rendered":"Blitzbahn nach Kladow"},"content":{"rendered":"<p>In meinem Artikel \u00fcber die \u201e<a href=\"?p=216\">Planungen einer Bahn nach Cladow<\/a>\u201c erz\u00e4hlte ich \u00fcber die in der Vergangenheit geplanten Bahnverbindungen nach Kladow. Ausgerechnet die hier erw\u00e4hnte, ausgesprochen utopisch anmutende Idee einer \u201eBlitzbahn&#8220; mit einer vorgesehenen Geschwindigkeit von 360 km pro Stunde l\u00f6ste Erinnerungen bei einer Reihe von Kladowern aus. So meldeten Anfang der drei\u00dfiger Jahre die Zeitungen in gro\u00dfer Aufmachung die Ankunft des \u201eSchienen-Zeppelins&#8220; mit dem Erfinder und Konstrukteur Franz Kruckenberg im Bahnhof Spandau-West. Nach kurzem Aufenthalt fuhr er weiter zum Bahnhof Rennbahn Grunewald. Hier konnte die Bev\u00f6lkerung den von einem gewaltigen Propeller angetriebenen Zug mehrere Tage besichtigen. Kladower erinnern sich, mit ihren Eltern in den Grunewald gefahren zu sein, um sich diese Sensation nicht entgehen zu lassen. Wie beeindruckend die Begegnung war, beweisen die heute noch lebendigen Erinnerungen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Angeregt von diesen Erz\u00e4hlungen suchte ich nach konkreten greifbaren Spuren und fand sie in amtlichen Akten und Zeitungen. Am 10.3.1926 erl\u00e4uterte der Dipl.-Ing. Franz Kruckenberg im Zimmer des Spandauer B\u00fcrgermeisters Stritte Fachleuten seine Pl\u00e4ne. Danach sollte in einer ersten Stufe eine Luftschwebebahn Berlin &#8211; Spandau &#8211; Potsdam mit zentralem Bahnhof in Kladow gebaut werden. Diese Vorortbahn sollte zur Erprobung des propellergetriebenen Zugwagens genutzt werden. Immerhin war schon auf dieser Versuchsstrecke eine Geschwindigkeit von 120 bis 240 km pro Stunde vorgesehen. In einer zweiten Stufe sollte dann zun\u00e4chst die Strecke Berlin &#8211; Hannover mit einer ebenerdigen zwei- bis viergleisigen Anlage versehen werden. Eine weitl\u00e4ufige Kurvenf\u00fchrung k\u00f6nnte dem 700 PS starken Propellermotor eine Geschwindigkeit von 360 km pro Stunde erm\u00f6glichen. Auch f\u00fcr diese Bahnf\u00fchrung war Kladow als Bahnhof&#8216; \u201eGro\u00df-Berlin-West&#8220; geplant.<\/p>\n<figure id=\"attachment_238\" aria-describedby=\"caption-attachment-238\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/w344he556.homepage.t-online.de\/word\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/strecke_blitzbahn.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-238\" src=\"http:\/\/w344he556.homepage.t-online.de\/word\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/strecke_blitzbahn.jpg\" alt=\"Ungef\u00e4hrer Streckenverlauf der geplanten Blitzbahn\" width=\"700\" height=\"482\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-238\" class=\"wp-caption-text\">Ungef\u00e4hrer Streckenverlauf der geplanten Blitzbahn<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hier sollte also der Ausgangspunkt eines fantastischen Verkehrsnetzes sein, das \u00fcber die Grenzen Europas weltweit L\u00e4nder und V\u00f6lker miteinander verbinden konnte.<br \/>\nUnd der Heidelberger Franz Kruckenberg ging ans Werk. Mit anerkannten Fachleuten gr\u00fcndete er die \u201eStudiengesellschaft f\u00fcr Verkehrstechnik &#8222;, bereiste die gro\u00dfen St\u00e4dte des In- und Auslands, warb und \u00fcberzeugte und entwickelte mit seinem Team den Prototyp des \u201eSchienen-Zepp&#8220;, wie er bald im Volksmund genannt wurde.<br \/>\nDie meisten gro\u00dfen St\u00e4dte, aber auch die Deutsche Reichsbahn signalisierten gro\u00dfes Interesse. Der H\u00f6hepunkt f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit war zweifellos die Versuchs- und zugleich Werbefahrt des Schienen-Zeppelins von Hamburg nach Spandau. Die Strecke war von der Reichsbahn f\u00fcr die Fahrtzeit v\u00f6llig gesperrt, alle Signale au\u00dfer Kraft gesetzt, s\u00e4mtliche beschrankten Bahn\u00fcberg\u00e4nge sicherheitshalber schon 25 Minuten vor der erwarteten Durchfahrt geschlossen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die 250 km von Hamburg-Bergedorf nach Spandau- West ben\u00f6tigte der Schienen-Zeppelin die neue Rekordzeit von 1 Stunde und 38 Minuten. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 170 km pro Stunde. Die H\u00f6chstgeschwindigkeit betrug 230 km pro Stunde. Allerdings musste der Zug auch einmal wegen zu enger Kurven auf 60 km pro Stunde herunter. Nach feierlicher Begr\u00fc\u00dfung in Spandau fuhr der Wagen zum Bahnhof Rennbahn Grunewald.<\/p>\n<p>Ab 8 Uhr konnte das Publikum den futuristisch aussehenden Zug besichtigen. Tausende lie\u00dfen sich diese Sensation nicht entgehen, so auch viele Kladower, die die Fahrt in den Grunewald zu einem Familienausflug machten. Die Welt hielt den Atem an. Jules Vernes Pl\u00e4ne schienen veraltet. Man riss sich um Bilder und Text. Der Sensation waren die Tore ge\u00f6ffnet, sie verlangte ihr Recht&#8220;. So schrieb die \u201eSpandauer Zeitung&#8220;.<br \/>\nWir wissen heute, dass die Gro\u00dfartigen Ideen \u00fcber dieses Versuchsstadium nicht viel weiter hinaus wuchsen. Die schlechte wirtschaftliche Lage Anfang der drei\u00dfiger Jahre lie\u00df auch kleinere L\u00f6sungen, wie die projektierte &#8222;Blitzbahn &#8220; von Berlin \u00fcber Kladow nach Potsdam, scheitern. In dieser Situation war es f\u00fcr Kruckenberg schwer, die Wirtschaftlichkeit seiner Erfindung nachzuweisen, obwohl sie vergleichbaren Entwicklungen &#8211; wie z. B. der AEG weitaus \u00fcberlegen war. Hinzu kam, dass Kruckenberg von dem Z\u00fcricher Prof. Wiesinger in Berlin verklagt wurde, weil er ihm die Konstruktion gestohlen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die Geschichte des Schienen-Zeppelins ist f\u00fcr uns ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, dass in der Vergangenheit Kladow in gro\u00dfartige und weitreichende Planungen einbezogen wurde. Aber auch ein Beispiel daf\u00fcr, wie h\u00e4ufig diese Ideen einschliefen, scheiterten, manchmal blo\u00dfes Papier blieben. Der \u201eSchienen-Zepp\u201c hat es wenigstens bis einer Versuchsfahrt gebracht.<br \/>\nRainer Nitsch<\/p>\n<p><em>Quelle:<\/em><br \/>\n<em>Landesarchiv Berlin, Rep. 208. Acc. 2315. Nr. 9634 Schnellschwebebahnen<\/em><br \/>\n<em>Spandauer Zeitung vom 20.10.1930, 27.2., 22.6. und 27.10.1931<\/em><br \/>\n<em>Bildnachweis: Bundesarchiv\u00a0<span class=\"locality\">Aktuelle-Bilder-Centrale, Georg Pahl (Bild 102)<\/span>, Juni 1931<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Artikel \u00fcber die \u201ePlanungen einer Bahn nach Cladow\u201c erz\u00e4hlte ich \u00fcber die in der Vergangenheit geplanten Bahnverbindungen nach Kladow. 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