{"id":321,"date":"2012-01-01T09:14:40","date_gmt":"2012-01-01T07:14:40","guid":{"rendered":"http:\/\/w344he556.homepage.t-online.de\/word\/?p=321"},"modified":"2016-05-03T09:17:44","modified_gmt":"2016-05-03T07:17:44","slug":"kladows-notschrei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kladower-forum.de\/?p=321","title":{"rendered":"Kladows Notschrei"},"content":{"rendered":"<p>Am 1.10.1921 wurden die D\u00f6rfer Cladow und Gatow durch einen \u201eStrich auf der Landkarte&#8220; der Stadt Berlin einverleibt. So ist es allgemein bekannt. Wissen Sie aber, dass der Hauptausschuss des Preu\u00dfischen Landtags beschlossen hatte, Gatow und Cladow zum 1.April 1925 aus Berlin wieder auszugemeinden?<!--more--><\/p>\n<p>Die Diskussion \u00fcber Sinn und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit der Eingemeindung der beiden Landgemeinden kam jetzt erst richtig in Gang. Die Einwohner selbst wurden nicht befragt, meldeten sich aber nun lautstark und heftig zu Wort. So sammelten die Lehrer D\u00fcrre und Trebbin Unterschriften f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Eingemeindung in Berlin und schickten diese an den Preu\u00dfischen Landtag. Dagegen verwahrten sich vehement die Herren Beer, K\u00f6nig, Fr. Parnemann und Schulze ihrerseits in einer Eingabe an den Landtag, die sie auch als \u201eNotschrei&#8220; in einem Flugblatt verbreiteten (siehe Abb.). Sie warfen den beiden Lehrern massive Beeinflussung der Eltern ihrer Sch\u00fcler vor und diskriminierten den mitunterzeichnenden Pfarrer Herrmann als \u201ez. Zt. wegen hier nicht bekannten Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten vom Amt suspendiert&#8220;.<\/p>\n<p>Dass Cladow und Gatow \u201eorganische Bestandteile&#8220; des Kreises Osthavelland w\u00e4ren, betonte auch schon der Kreistag in Nauen am 31.1.1920. Der Kreis Osthavelland w\u00e4re ohne die beiden D\u00f6rfer, den \u201esteuerkr\u00e4ftigsten und entwicklungsreichsten Teil des Kreises&#8220;, nicht mehr lebensf\u00e4hig. Zudem w\u00fcrde die Stadt Potsdam mit ihren gro\u00dfstadts\u00fcchtigen Pl\u00e4nen&#8220; ermutigt, sich ebenfalls Teile des Osthavellandes einzuverleiben.<\/p>\n<p>\u201eDer Vorsitzende (des Kreistages, d. Verf.) sagte zu, dass er bem\u00fcht sein werde, auch die Randgemeinden kr\u00e4ftig zu f\u00f6rdern und wies u.a. auch darauf hin, dass es ihm bereits gelungen sei, nach Cladow einen Arzt hinzuziehen. Es stehe jetzt auch seit ganz kurzer Zeit ein Krankenauto f\u00fcr die Bef\u00f6rderung von Kranken, wenigstens, soweit sie Kassenmitglieder seien, zur Verf\u00fcgung&#8220;. Weiter wurde auf den vorgesehenen Anschluss beider D\u00f6rfer an das Wasserwerk in Staaken, sowie auf die geplante Kleinbahn von Spandau nach Potsdam hingewiesen. Wenn alle diese Argumente nicht einsehbar w\u00e4ren, sollte wenigstens&#8220; die Havel als nat\u00fcrliche Kreisgrenze respektiert werden.<\/p>\n<p>Spandau war bereits am 1.4.1887 aus dem Kreis Osthavelland ausgeschieden und selbstst\u00e4ndige Stadtgemeinde geworden. Die Vertreter von Spandau, die sich ebenfalls vergeblich gegen die Eingemeindung ihrer Stadt in Berlin gewehrt hatten, witterten in Cladow und Gatow Verb\u00fcndete eigener art, um ihre Selbstst\u00e4ndigkeit zur\u00fcckzubekommen. Sie versuchten die Cladower und Gatower zu \u00fcberzeugen, dass nicht nur das Zusammengehen aller drei Gemeinden erforderlich w\u00e4re, sondern einzig der Anschluss Cladows und Gatows an Spandau deren \u00dcberlebensf\u00e4higkeit gegen\u00fcber den Herausforderungen der neuen Zeit sichern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nun, Cladow und Gatow kamen zu Spandau, Spandau (damit auch Cladow und Gatow) zu Gro\u00df-Berlin. Der Preu\u00dfische Landtag lehnte also den Beschluss des Hauptausschusses auf Ausgemeindung ab. Von den zahlreichen Versprechungen, Pl\u00e4nen, die im Zuge des Gerangels den Cladowern und Gatowern gemacht worden waren, wurde so gut wie nichts verwirklicht. So warten die Kladower noch heute auf den Bau eines &#8222;stattlichen Gemeindehauses&#8220;, 1924 von Spandaus damaligem Dezernenten f\u00fcr Hochbau und Siedlungswesen, Ludorf, als schon &#8222;ausgearbeitet&#8220; angek\u00fcndigt. Ludorf warf dem Kreis Osthavelland u. a. vor, bisher f\u00fcr Cladow keinen Bebauungsplan aufgestellt zu haben, &#8222;der die k\u00fcnftige Entwicklung zielbewusst in die richtigen Bahnen lenkt&#8220;. Mit Spandau sollten f\u00fcr Kladow &#8222;bessere&#8220; Zeiten anbrechen.<\/p>\n<p>Im Cladow jener Tage jedoch k\u00fchlte die Erregung \u00fcber die verordnete Eingemeindung nur sehr langsam ab. Reste davon scheinen heute noch sp\u00fcrbar zu sein.<br \/>\n<em>Rainer Nitsch<\/em><br \/>\nQuellen:<br \/>\n1. Geheimes Staatsarchiv Preu\u00dfischer Kulturbesitz<br \/>\nAbt. Merseburg, Pr.Br.Rep.169D, IV b<br \/>\nGemeindeangelegenheiten, I, 2 adh. 2<br \/>\nZuschriften, Band 1 Blatt 394;<br \/>\nL 2 adh. 3 Eingaben, Band 2 Blatt 452 und 454, Band 3 Blatt 22. Spandauer Zeitung Nr. 168 vom 19. April 1924, 1. Beiblatt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1.10.1921 wurden die D\u00f6rfer Cladow und Gatow durch einen \u201eStrich auf der Landkarte&#8220; der Stadt Berlin einverleibt. So ist es allgemein bekannt. 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