{"id":371,"date":"2011-10-08T12:45:57","date_gmt":"2011-10-08T10:45:57","guid":{"rendered":"http:\/\/w344he556.homepage.t-online.de\/word\/?p=371"},"modified":"2016-05-12T12:51:43","modified_gmt":"2016-05-12T10:51:43","slug":"40-dorfgeschichtlichen-wanderung-von-gaststaetten-hotels-cafes-und-kneipen-einst-und-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kladower-forum.de\/?p=371","title":{"rendered":"40. Dorfgeschichtlichen Wanderung: Von Gastst\u00e4tten, Hotels, Caf\u00e9s und Kneipen einst und jetzt"},"content":{"rendered":"<p>Eine frische Herbstbrise empfing die ungef\u00e4hr 70 Wanderfreunde am 8. Oktober 2011 am \u201eSteinernen Schiff\u201c am Havelufer Imchenplatz. Hier sollte unsere Herbstwanderung durch das gastliche Kladow beginnen und an die 39. Dorfgeschichtliche Wanderung zum herbstlichen Kladow ankn\u00fcpfen. Unser Vorsitzender Rainer Nitsch f\u00fchrte in das Thema und die Konzeption der Wanderung kundig ein.<!--more--><\/p>\n<p>Seine Anmerkungen galten der Geschichte der Kladower Gastst\u00e4tten und sonstigen einschl\u00e4gigen Betrieben als Teil einer d\u00f6rflichen Kultur- und Entwicklungsgeschichte. Der Bogen reicht hier vom Jahr 1375, in dem eine Kaiserliche Revisionskommission unmutig feststellen musste, dass es in Cladow keinen Krug f\u00fcr Pferd und Reiter gab, bis in die Neuzeit. Der traurige Zustand dauerte \u00fcber Jahrhunderte an. Er war der Abgeschiedenheit und den miserablen Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen dieser Landschaft geschuldet, die jede Fahrt nach Spandau \u00fcber Gatow zu einer beschwerlichen Reise werden lie\u00df. Der Verkehr spielte sich n\u00f6rdlich \u00fcber die alte Heer- und Landstra\u00dfe \u00fcber Gro\u00df Glienicke ab.<\/p>\n<h4>Havelhaus<\/h4>\n<p>Unsere erste Station war das wenige Schritte entfernte, denkmalgesch\u00fctzte \u201eHavelhaus\u201c am Havelufer Richtung Neukladow. Es war als Landhaus gebaut und wurde erst sp\u00e4ter zu einem Ensemble aus Gastwirtschaft und einem Hotel mit Bootstankstelle am Ufer, an das sich ein Laubengel\u00e4nde anschloss. Der letzte Eigent\u00fcmer hatte es 1978 dem Land Berlin zu gemeinn\u00fctzigen Zwecken vermacht. Die here Zielsetzung einer Zuflucht f\u00fcr Blinde und Alte konnte in 20 Jahren nicht verwirklicht werden, bis der Liegenschaftsfonds das ganze Areal im Jahr 2000 an eine Investorin aus Potsdam verkaufte, die es f\u00fcr Wohnbebauung nutzen will.<\/p>\n<p>Das weitl\u00e4ufige Nachbargrundst\u00fcck geh\u00f6rte einst der Berliner Stadtreinigung, die darauf eine pr\u00e4chtige Anlage f\u00fcr Freizeit, Sport und Erholung betrieb. Sie stand auch G\u00e4sten offen, so dass sich mancher von uns gerne an Gelegenheiten wie Saunag\u00e4nge, ein opulentes Fr\u00fchst\u00fcck oder eine Kaffeetafel auf der Terrasse erinnerte. Mittlerweile ist hier eine monumentale Villa mit sch\u00f6nem Havelblick entstanden. Wer die hat erbauen lassen, bleibt vorerst der Spekulation \u00fcberlassen, weil es an dem vorgeschriebenen Angaben auf dem Bauschild fehlt.<\/p>\n<h4>Steinerne Schiff<\/h4>\n<p>F\u00fcr die zweite Station machte die Wandergruppe wieder am \u201eSteinernen Schiff\u201c halt, wo Hanne Ritter als ortskundige Auskunftsperson einen wichtigen Aspekt der Entwicklungsgeschichte Kladows beisteuerte. Mit der Abgeschiedenheit dieses Dorfes war es eigentlich erst mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt auf der Havel gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorbei. Das brachte Leben und Aufschwung ins Dorf, weil Mengen von Berliner Ausfl\u00fcglern und Urlaubern verpflegt und untergebracht werden mussten.<\/p>\n<h4>Dampfa-Eck<\/h4>\n<p>Die dritte Station am Rohrs\u00e4ngersteig \u00fcbernahm Helga Heinze als weitere ortskundige Zeitzeugin und schilderte uns die Umgebung im Wandel der Zeiten. An das ehemals etwas ungepflegt wirkende Erscheinungsbild des Kladower Ufers an der Anlegestelle erinnerte bis vor kurzem noch das \u201eDampfa-Eck\u201c, das sich mittlerweile unter dem Logo \u201eWeihenstephan\u201c zu einem richtigen Gartenlokal gemausert hat.<\/p>\n<p>Links des Rohrs\u00e4ngersteigs erfreut das B\u00fcdnerhaus von 1800 das Auge. Allerdings ist von dem Urzustand des Geb\u00e4udes, das einst dem Fischer August Bels geh\u00f6rte nur noch der Kamin \u00fcbrig geblieben. Das ganze B\u00fcdnerhaus sollte 1989 abgerissen werden, weil es in einem schandbaren Zustand war. Unter anderem das Kladower Forum konnte dies verhindern, allerdings nur den alten Kamin retten. Das Haus kann sich jedoch dem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild nach denkmalw\u00fcrdig sehen lassen und wurde zun\u00e4chst als \u201eB\u00fcdnerstube\u201c, dann als \u201eLandhaus Pfefferkorn\u201c gastronomisch genutzt. Zuletzt ist es dem benachbarten \u201eMaisels Biergarten\u201c zugeschlagen worden.<\/p>\n<p>Links daneben befindet sich ein weiteres B\u00fcdnerhaus, das der B\u00fcdner Carls Marzahn 1881 in seiner jetzigen Gestalt erbaute. Jahrzehntelang betrieb hier ein Otto Brandenburg das \u201eBrandenburgeck\u201c. Er war ber\u00fchmt und ber\u00fcchtigt wegen seines lauten Gepolters, mit dem er seine K\u00fcchenbrigade kommandierte. Sein \u201eEckig, zackig\u201c und \u201eZack-zack\u201c hat Helga Heinze noch heute im Ohr. Friedlicher soll sein Angebot geklungen haben \u201eDer alte Brauch wird nicht gebrochen, hier k\u00f6nnen Familien Kaffee kochen\u201c.<\/p>\n<h4>Ehem. Seglerheim<\/h4>\n<p>Bei der vierten Station vor dem ehemaligen Seglerheim, kam Helga Heinze ins Schw\u00e4rmen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges fanden hier 20 Jahre lang in dem Ballsaal Theater- und Opernauff\u00fchrungen statt, wie etwa \u201eSchwarzwaldm\u00e4del\u201c oder \u201eDer Fidele Bauer\u201c. Au\u00dferdem war es das Haus der Gro\u00dfen B\u00e4lle und Feste. Auf einem von ihnen soll sie ihren sp\u00e4teren Mann kennengelernt haben.<\/p>\n<p>Etwas vor dieser Hoch-Zeit spielt die Erinnerung an die Gro\u00dfe Blechhenne mit dem roten Schopf, die die Freitreppe zum Seglerheim bewachte. Steckte man einen Groschen in ihren Schnabel, gackerte sie und spuckte hinten einen Dauerlutscher aus. Ein ewiger Spass f\u00fcr Jung und Alt! Nach dieser Gro\u00dfen \u00c4ra k\u00fcmmerte das Seglerheim dahin, kam unter Denkmalschutz, wurde ab 1992 restauriert und beherbergt jetzt ein Hotel und das \u201eBistro Verde\u201c. Leider hat der Saaltrakt mit Gro\u00dfem Tresen, Garderoben und dem Ball- und B\u00fchnensaal die Restaurierung nicht \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Der Gel\u00e4ndestreifen ab dem Seglerheim bis zum Sakrower Kirchweg, der in G\u00e4nze der Bauernfamilie Parnemann geh\u00f6rte, war ebenfalls mit zwei weiteren ber\u00fchmten H\u00e4usern besetzt, dem \u201eM\u00e4rkischen Hof\u201c und dem \u201eHaus Helgoland\u201c. In dem ersten konnte man diskret und gut speisen, in dem zweiten auch gute Herberge finden. Haus Helgoland beherbergt jetzt den Installationsbetrieb Fiedler.<\/p>\n<p>Auf der Imchenallee ging es weiter. Man geht hier sozusagen auf Berliner M\u00fcll, weil um 1900 der Uferstreifen bis zum Schwemmhorn aufgesch\u00fcttet wurde, um den \u00dcberschwemmungen zu trotzen.<\/p>\n<h4>Ciro<\/h4>\n<p>Unsere f\u00fcnfte Station war der Blickpunkt auf das Kinderheim St. Hedwig hoch oben auf der Kladower D\u00fcne. In den drei\u00dfiger Jahren des vorigen Jahrhunderts betrieb dort der \u00c4gypter Achmed Mustafa, von Beruf Musiker, Eint\u00e4nzer und auch privat ein Gigolo, das Etablissement \u201eCiro\u201c. Seine Beziehung zu einer Textilfabrikantin versetze ihn in die Lage, das Haus Ciro in Kladow einzurichten. Dass das \u201eCiro\u201c ein Edelbordell gewesen sein soll, ist ein blo\u00dfes Ger\u00fccht. Wahrscheinlich ist es dem florierenden Liebesleben des Herrn Mustafa geschuldet. In den vierziger Jahren wurde das Lokal von der Gestapo geschlossen. Mustafa und seine Band spielten Jazz-Musik im \u201eCiro\u201c und waren auch sonst suspekt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Haus als Kinderheim unter die Fittiche der katholischen St. Hedwigs-Schwestern. Heute tr\u00e4gt es den Namen \u201eSancta Maria\u201c.<\/p>\n<h4>Haus Trinitatis<\/h4>\n<p>Als sechste Station lief die Wandergruppe das \u201eHaus Trinitatis\u201c an, das die vormalige Besitzerin der Trinitatis-Gemeinde in Charlottenburg vermacht hatte. Zun\u00e4chst diente es auch als Kindererholungsheim. Dann wurde es in ein edles, stadtbekanntes Hotel und Restaurant unter der Leitung der ehemaligen Heimk\u00f6chin umgewandelt. Das Haus war bei den Berlinern, die lange Reisen scheuten, sehr beliebt wegen seiner idyllischen Lage, fern der Gro\u00dfstadt, des guten Essens und der edlen Einrichtung. Martin Buchholz als weiterer Zeitzeuge berichtete unter anderem von einem festlichen Spiegelsaal, in dem Familienfeiern stattfanden. Rechts daneben liegt die \u201eVilla Oeding\u201c, die den Namen ihres bekanntesten Besitzers tr\u00e4gt. Die Villa wurde als \u201eRuinenhaus\u201c erbaut und ist mitsamt dem alten Hanggarten von ihren jetzigen Eigent\u00fcmern wundersch\u00f6n restauriert worden.<\/p>\n<h4>Caf\u00e9 K\u00f6hn<\/h4>\n<p>\u00dcber den gepflasterten Durchweg \u201eAm Roten Stein\u201c ging es hangaufw\u00e4rts bis zum ehemaligen \u201eCaf\u00e9 K\u00f6hn\u201c und der gleichnamigen B\u00e4ckerei als siebter Station. Hierzu kann auf den Bericht \u00fcber die 39. Dorfgeschichtliche Wanderung verwiesen werden. Martin Buchholz erg\u00e4nzte manches aus der Familiengeschichte des B\u00e4ckermeisters K\u00f6hn und seiner drei sch\u00f6nen T\u00f6chter, die das Erbe ihres Vaters leider nicht bewahren konnten. Nach einigen Besitzerwechseln und langem Leerstand erstrahlt es jetzt liebevoll restauriert wieder in altem Glanz. Investorin ist \u00fcbrigens dieselbe Architektin, die uns bereits am Havelhaus begegnet war.<\/p>\n<h4>Gasthaus Herms<\/h4>\n<p>An der Einm\u00fcndung des Parnemannwegs in die Sakrower Landstra\u00dfe steht das ehemalige \u201eGasthaus Herms\u201c eines der \u00e4ltesten Kladower Wirtschaften, unserer achten Station. Fr\u00fcher konnten hier Pferd und Reiter ausspannen und sich erfrischen. Heute ist es ein \u00c4rztehaus.<\/p>\n<h4>Kladower Hof<\/h4>\n<p>Schr\u00e4g gegen\u00fcber besuchten wir als unsere neunte Station den \u201e Kladower Hof\u201c. Er hie\u00df bei seiner Errichtung im Jahre 1905 noch \u201eGasthaus zum goldenen Stern\u201c. Uns begr\u00fc\u00dfte die Enkeltochter der Familie, die seit 1916 das Lokal innehat, Inge Gro\u00df. Es waren eigentlich fast immer die T\u00f6chter der Kladower Wirtsfamilien, die den Laden am Laufen gehalten haben. Sie waren t\u00fcchtig und konnten kochen. Im Kladower Hof tagt jeden Freitag der M\u00e4nnergesangsverein \u201eEintracht\u201c Cladow 1919, der im Jahre 1919 im Gasthaus Herms unter der Leitung von Gertrud Herms gegr\u00fcndet worden ist.<\/p>\n<h4>Zum Dorfkrug<\/h4>\n<p>Der Kirchplatz war unsere zehnte und letzte Station. Das jetzige Gasthaus \u201eZum Dorfkrug\u201c hie\u00df in den drei\u00dfiger Jahren \u201eZur Wartehalle\u201c, weil hier der Wendeplatz f\u00fcr die Busse war und man oft stundenlang warten musste. Mit Hanne Ritter blickten wir noch mal rund und h\u00f6rten Geschichten zum Haus J\u00e4kel, dem jetzigen \u201e1876\u201c, das seit 2010 zum Verkauf steht; zu Kl\u00e4re Knopf und ihrem \u201eCaf\u00e9 Clair\u201c, die vorher mit ihrem Mann \u201eKn\u00f6pfchen\u201c eine Eisdiele aufgemacht und sp\u00e4ter auch mit den ersten Curry-W\u00fcrsten in Kladow viel Erfolg hatte. Wer jetzt noch nicht genug hatte, ging dann ins Haus Kladower Forum, wo die Ausstellung zum Thema jeden Informationswunsch befriedigen konnte.<\/p>\n<p><em>Eike-Eckehard Baring (Werkstatt Geschichte)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine frische Herbstbrise empfing die ungef\u00e4hr 70 Wanderfreunde am 8. Oktober 2011 am \u201eSteinernen Schiff\u201c am Havelufer Imchenplatz. 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