{"id":17254,"date":"2026-04-21T21:46:55","date_gmt":"2026-04-21T19:46:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kladower-forum.de\/?post_type=tribe_events&#038;p=17254"},"modified":"2026-04-21T21:47:33","modified_gmt":"2026-04-21T19:47:33","slug":"film-zuflucht-berliner-juden-im-versteck","status":"publish","type":"tribe_events","link":"https:\/\/kladower-forum.de\/?tribe_events=film-zuflucht-berliner-juden-im-versteck","title":{"rendered":"Film | ZUFLUCHT \u2013 BERLINER JUDEN IM VERSTECK"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-17252\" src=\"https:\/\/kladower-forum.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2026-05-VS-Heiko-Roskamp-300x253.jpeg\" alt=\"\" width=\"531\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/kladower-forum.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2026-05-VS-Heiko-Roskamp-300x253.jpeg 300w, https:\/\/kladower-forum.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2026-05-VS-Heiko-Roskamp-100x84.jpeg 100w, https:\/\/kladower-forum.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2026-05-VS-Heiko-Roskamp.jpeg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 531px) 100vw, 531px\" \/><\/p>\n<p><strong>Ein Film von Carl-Ludwig Paeschke und Heiko Roskamp, ZDF 1985<\/strong><\/p>\n<p>Mehr als 80 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs und damit dem Ende des NS-Terrors laden wir Sie am 8. Mai 2026 um 18:00 Uhr in das Haus des \u201eKladower Forum\u201c zu einer besonderen Filmvorf\u00fchrung ein. Nach einer musikalischen Begr\u00fc\u00dfung und anschlie\u00dfender kurzen inhaltlichen Einf\u00fchrung durch Heiko Roskamp wird der Film \u201eZuflucht &#8211; Berliner Juden im Versteck\u201c gezeigt.<br \/>\nDiesen Film drehte er gemeinsam mit Carl Ludwig Paeschke im Auftrag des ZDF 1985.<br \/>\nDer Film basiert im Wesentlichen auf seinen Recherchen zu diesem Thema, in deren Verlauf weltweit Zeitzeugen interviewt wurden.<br \/>\nEin Teil dieser Interviews fand Eingang in den Film.<br \/>\nDer Film stellt in seiner Form ein Novum dar. Er gibt Verfolgten des Dritten Reiches, j\u00fcdischen Menschen &#8211; die untergetaucht waren und von ganz unterschiedlichen Personen Unterst\u00fctzung erhalten hatten &#8211; die M\u00f6glichkeit, ihre Geschichte selbst zu erz\u00e4hlen.<br \/>\nIn langen Einstellungen mit nur wenigen Schnitten wird ihnen bewusst viel Raum einger\u00e4umt, so dass ihre Berichte zusammenh\u00e4ngend bleiben und nichts Wesentliches verloren geht oder ausgelassen wird.<br \/>\nDiese zur\u00fcckhaltende filmische Gestaltung schafft N\u00e4he und unterstreicht die Glaubw\u00fcrdigkeit der Erz\u00e4hlungen.<br \/>\nIm Mittelpunkt stehen die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, deren Erfahrungen hier Geh\u00f6r finden und deren Perspektive das Verst\u00e4ndnis dieser historischen Ereignisse ma\u00dfgeblich pr\u00e4gt.<br \/>\nIm Anschluss an die Filmvorf\u00fchrung gibt es die M\u00f6glichkeit zum Dialog mit Heiko Roskamp.<\/p>\n<p>Kurz zur Situation am 8.Mai 1945 in Berlin:<br \/>\nDieses Datum markiert die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. In Berlin kam es bereits Ende April zum milit\u00e4rischen Zusammenbruch.<br \/>\nIn den westlichen Randgebieten wie Kladow, Gatow und Gro\u00df Glienicke verlief das Kriegsende weniger zerst\u00f6rerisch als im Stadtzentrum Berlins. Bis zum 2. Juli 1945 waren diese drei Orte fest unter sowjetischer Kontrolle.<br \/>\nEntscheidend f\u00fcr die weitere Entwicklung war, dass Gatow, Kladow und der geographische Ostteil Gro\u00df Glienickes nach Verhandlungen zwischen den Alliierten am 2.Juli 1945 von den britischen Truppen besetzt und der Flugplatz Gatow an die Briten \u00fcbergeben wurde.<br \/>\nEin historischer R\u00fcckblick auf den durch Vertreibung und Ermordung herbeigef\u00fchrten Exodus der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung Berlins zeigt, dass im Mai 1945, also nach Kriegsende, nur noch ca. 5000 j\u00fcdische Einwohner \u00fcberlebt hatten, wobei die meisten von ihnen aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern befreit wurden.<br \/>\nEine weitere Gruppe &#8211; etwa 1700 &#8211; j\u00fcdischer Frauen und M\u00e4nner \u00fcberlebte mit einem sog. \u201earischen\u201c Ehepartner in sog. \u201eMischehen\u201c.<br \/>\n(Zur Erinnerung: Vor der Machtergreifung lebten in Berlin mehr als 175.000 Menschen j\u00fcdischen Glaubens; ein Gro\u00dfteil von ihnen konnte rechtzeitig emigrieren; mehr als 50.000 sind deportiert worden.)<br \/>\nNur knapp 1000 j\u00fcdische Personen, die Zahl l\u00e4sst sich nicht genau ermitteln, \u00fcberlebte untergetaucht und versteckt als sog. \u201eU-Boote\u201c durch die Hilfe von Nachbarn, Freunden oder Verwandten.<br \/>\nDie meisten bekannten Verstecke befanden sich in Arbeiter- und Innenstadtvierteln. Dort, wo insbesondere in den Kriegswirren noch Anonymit\u00e4t m\u00f6glich war.<br \/>\nD\u00f6rfliche Randlagen wie Gatow, Kladow und Gro\u00df Glienicke waren daf\u00fcr strukturell ung\u00fcnstiger, aber nicht ausgeschlossen. Nach offiziellen Angaben lebten in Gatow, Kladow und Gro\u00df Glienicke im M\u00e4rz 1945 keine Juden mehr. Sie waren ausgewandert oder in den Vernichtungslagern ermordet worden.<br \/>\nIn der Publikation \u201eKladow im Fr\u00fchjahr 1945\u201c (ver\u00f6ffentlich vom Kladower Forum 2025) berichtet Rainer Nitsch von Susanne Friedemann, die als J\u00fcdin die NS\u2013Zeit mithilfe von Bernhard von Sch\u00fcching versteckt in dessen Bootshaus am Sacrower Kirchweg \u00fcberleben konnte. Nach dem Ende des Krieges heirateten beide.<\/p>\n<p>Warum es hier \u2013 im Gegensatz zu Berliner Bezirken wie Mitte, Tiergarten, Wedding und Neuk\u00f6lln &#8211; kaum oder nur wenig Belege \u00fcber j\u00fcdische Schicksale gibt, liegt vermutlich darin begr\u00fcndet, dass<\/p>\n<ol>\n<li>\u00dcberlebende oft aus Angst, Scham oder zum Selbstschutz schwiegen,<\/li>\n<li>Helfer anonym bleiben wollten: \u201eVerstecken\u201c war f\u00fcr sie lebensgef\u00e4hrlich, da die \u00dcberwachung in d\u00f6rflichen Gemeinden intensiver war \u2013 jeder kannte jeden,<\/li>\n<li>d\u00f6rfliche Orte weniger Akten hinterlassen haben &#8211; so befanden sich hier unter anderem weder j\u00fcdische Gemeinden noch Deportationslisten vor Ort und<\/li>\n<li>auch in der britischen Besatzung ab dem 2. bis 4. Juli 1945 der Fokus nicht auf der Dokumentation j\u00fcdischer Schicksale, sondern auf dem Aufbau der Milit\u00e4rverwaltung lag.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Fazit: Keiner der drei Orte Kladow, Gatow oder Gro\u00df Glienicke ist heute als \u201eOrt j\u00fcdischen Untertauchens\u201c genauer dokumentiert, im Gegensatz zu den innerst\u00e4dtischen Bezirken.<br \/>\nEs ist aber nicht auszuschlie\u00dfen, dass einzelne Personen \u2013 wie wir sahen \u2013 mithilfe von Freunden und Verwandten hier \u00fcberleben konnten.<\/p>\n<p><strong>Zur Person:<\/strong><br \/>\nHeiko Roskamp lebt seit 1971 in Berlin (ab1991 in Potsdam\/ Gro\u00df Glienicke) und studierte an der Freien Universit\u00e4t Berlin Politikwissenschaft, Germanistik und P\u00e4dagogik.<br \/>\nSeit Anfang der 1980er Jahre forschte er zu verschiedenen historischen Themen, besonders zum Faschismus, Nationalsozialismus und Totalitarismus, zur Verfolgung und dem Widerstand w\u00e4hrend der NS-Diktatur und zur vergleichenden Systemlehre DDR versus westlichen Demokratiemodellen respektive Bundesrepublik Deutschland. Er wirkte an diversen Publikationen und Dokumentationen zur Geschichte Berlins mit.<\/p>\n<p>Als einer der Ersten wandte er bei seinen Recherchen die Methode der \u201eOral History\u201c, der erz\u00e4hlten Geschichte, an. Er ordnete allgemein wissenschaftlich bekannte historische Fakten den Berichten der von ihm interviewten Zeitzeugen zu und erreichte damit eine Unmittelbarkeit, die es besonders jungen Menschen erm\u00f6glichte, abstrakte Fakten besser zu verstehen und nachzuvollziehen. Noch heute wird nach dieser Methode j\u00fcngere Geschichte vermittelt.<br \/>\nEines seiner Forschungsergebnisse war u. a. der genaue Nachweis des Deportationsweges von der zum Sammellager missbrauchten Synagoge in der Levetzowstrasse zum Bahnhof Putlitzstrasse in Berlin-Moabit, dem wahrscheinlich gr\u00f6\u00dften Deportationsbahnhofs \u00a0in Berlin.<br \/>\nDiese Forschungsergebnisse wurden in seinen Publikationen, wie u. a. \u201eVerfolgung und Widerstand 1933-1945\u201c (Berlin 1985), ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nIm Verlauf seiner umfassenden Recherchen weltweit entdeckte Roskamp im Imperial-War-Museum in London dar\u00fcber hinaus das komplette Zellenbuch des Gestapogef\u00e4ngnisses (Zellengef\u00e4ngnis) Moabit in der Lehrter Stra\u00dfe 3, in dem bekannte Widerstandsk\u00e4mpfer, wie z. B.\u00a0 Haushofer, Goerdeler, Beck und Staufenberg, gefangen waren. Es h\u00e4tte M\u00f6glichkeiten gegeben, dieses wichtige Dokument im Original nach Berlin zu holen, die leider nicht genutzt wurden.<\/p>\n<p>Seine Forschungsergebnisse (Heiko Roskamp, \u201eVerfolgung und Widerstand, 1933-1945\u201c, 1985) gaben den Ansto\u00df f\u00fcr die Mahnmale an dem Gedenkort f\u00fcr das ehemalige Sammellager in der Levetzowstrasse und am Bahnhof Putlitzstrasse sowie f\u00fcr viele der Stolpersteine und Gedenktafeln in Berlin-Mitte\/-Tiergarten.<br \/>\nNoch heute forscht Roskamp zu historischen Themen, u. a. zur Geschichte der Juden in Brandenburg und Berlin vom Mittelalter bis in die j\u00fcngere Geschichte<strong>. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Cordula Benndorf<\/strong><\/p>\n<p><strong>8. Mai 2026 um 18:00 Uhr in das Haus des Kladower Forum<\/strong><\/p>\n<p>Foto: Grabst\u00e4tte Joseph Schwarz, Berlin-Wei\u00dfensee; Heiko Roskamp<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Film von Carl-Ludwig Paeschke und Heiko Roskamp, ZDF 1985 Mehr als 80 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs und damit dem Ende des NS-Terrors laden wir Sie am 8. 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