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Winter 2014 Seite 44

Die Rettung des Gutsparks Neukladow durch bürgerschaftliches Engagement
Teil 1
Beate Burkhardt
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Erinnern Sie sich an die geplante Wohnbebauung im Gutspark Neukladow? Auch an die Verhinderung durch bürgerschaftliches Engagement?

Anlasslässlich meines Vortrags an der TU zum Thema „Bürgerschaftliches Engagement“ habe ich nach Dokumenten zu diesem Vorhaben und der damals von mir gegründeten Bürgerinitiative gesucht und mich an den Vorstand des KLADOWER FORUM gewandt. Es ist ein unschätzbarer Wert, wenn Dokumente so sorgfältig archiviert werden. Ich will versuchen, den hochkomplexen, sich über mehrere Jahre hinziehenden Vorgang in einem kurzen Abriss zu beschreiben.

In der Berliner Zeitung vom 26.1.1996 fand sich ein Bericht: „Der Bund und das Land haben sich auf einen Deal geeinigt. Der Bund verzichtet darauf, auf dem Golfplatz Wohnungen zu errichten. Dafür verkauft ihm Berlin südlich des Gutshauses Neukladow bestes Bauland, von 5 ha ist die Rede.“ Erst Ende 1996 erfuhr ich von der geplanten Wohnbebauung für Bundesbedienstete im denkmalgeschützten Gutspark in Neukladow. Man sagte mir im Bezirksamt Spandau, dass der Bebauungsplan bereits beschlossen sei, dass man der Wohnbebauung im Gartendenkmal aber kritisch gegenüberstehe, der Senat die Sache an sich gezogen habe und bereits ein Investor gefunden sei. Alles läge in der Hand des Finanzsenators von Berlin.

Luftaufnahme Gutspark Neukladow 1990 Foto Rainer Nitsch

1997 nahm ich Einsicht in den B-Plan VIII 423. Dazu nahm ich meinen Mann, der sich u. a. in der Berliner Verwaltung und im Baurecht auskennt, an meine Seite. Das Erleben von Empörung angesichts des Deals und der wahrgenommenen Ungerechtigkeiten hat uns motiviert, bürgerschaftliches Engagement einzusetzen, um den Gutspark für die Öffentlichkeit zu retten und eine Wohnbebauung zu verhindern. Unsere persönliche Betroffenheit über die beabsichtigte Zerstörung eines historischen Denkmals gab uns Kraft und Zuversicht, eine bereits getroffene politische Entscheidung rückgängig machen zu können. Unser Bestreben war, durch Aufklärung der Bevölkerung, Unterschriftensammlungen und Gesprächen mit den politisch Verantwortlichen einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit zu leisten und etwas zu tun, was nicht nur im Einklang mit unseren eigenen Werten steht, sondern auch im Interesse der Mehrheit der Bürger ist, die den Erhalt und die Wiederherstellung des Gutshauses sowie des Landschaftsparks anstrebten. Es war uns ein Bedürfnis, Ereignisse und Entwicklungen, die in unserem direkten Lebensumfeld geschehen, mitzugestalten.

Zu Beginn des Jahres 1998 starteten wir eine private Unterschriftensammlung gegen die Bebauung. Mit unserem Aufruf „Diese Bescherung sollten wir uns schenken“ postierte ich mich im Dezember 1999 fast täglich auf der Freitreppe am Gutshaus und nutzte die Gelegenheit, um mit Parkbesuchern ins Gespräch zu kommen, Unterstützer zu gewinnen und einzubinden. Nach einem Jahr Aufklärungsarbeit in Form von Aushängen, Unterschriftensammlungen, dem Versuch, weitere Akteure einzubinden in unsere Bürgerinitiative und Medien auf dieses skandalöse Vorhaben hinzuweisen, hatten wir viel Zuspruch gefunden, mussten aber feststellen, dass wir zu zweit und mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unserem Ziel nicht viel näher kommen werden.

Auf der Suche nach Mitstreitern und Verbündeten trat ich schließlich an den Vorstand des Kladower Forum heran. Der gemeinnützige Bürgerverein erschien mir zur Umsetzung unseres Ziels ein idealer Partner zu sein. Zu der Zeit war ich allerdings nicht Mitglied des Kladower Forum, was zunächst eine Hürde war. Auch prüfte der Vorstand genau, welche Möglichkeiten der Bürgerverein tatsächlich hätte, die beschlossene Bebauung zu verhindern. Schließlich wurde mir Unterstützung zugesagt, die eine zweijährige, engagierte Zusammenarbeit mit enormem Erfolg zur Folge hatte.

Am 19.1.1999 druckt die Berliner Morgenpost einen Artikel: „Kladower Appell abgeschmettert. Der Kladower Appell begründet: Das 1,33 ha große Baugebiet im 18,3 ha großen Park passe einfach nicht in die Landschaft. Das Bundesbauministerium bleibt nun dabei: Die vorgesehene Planung passt sich gut ins Landschaftsbild und berücksichtigt das benachbarte, historische Gutshaus.“ Diesem Beitrag ging eine Ortsteilkonferenz in Kladow voraus. Die Bürgerinitiative hatte alle Bürger zu einer „Frühzeitigen Bürgerbeteiligung gegen die Bebauungsabsichten – geben Sie ihre Unterschrift“ eingeladen. Anwesend waren u. a. der Investor und politisch Verantwortliche aus dem Bezirk, um den Bürgern Rede und Antwort zu stehen. Diese beklagten die desaströsen Bauabsichten und wiesen auf eine Studie hin, die besagt, dass noch jede Menge Entwicklungsräume und Standorte in Berlin vorhanden seien, die bebaubar wären. Auch habe sich die Zahl der Bundesbediensteten, die beabsichtigten, ihren Wohnsitz nach Berlin zu verlegen, deutlich nach unten korrigiert. Wir hatten eine Unterschriftenliste ausgelegt und appellierten „Der Gutspark Neu Kladow ist kein Wohngebiet“. In der Morgenpost vom 8.12.1999 fand sich ein Artikel: „Die Initiative zur Rettung des Gutsparks gibt nicht auf. Auf dem Christkindl Markt sammelten die Mitglieder am vergangenen Wochenende 292 Unterschriften gegen die Bebauung des historischen Parks. Damit hat sich die Zahl der Bürger, die sich gegen diesen Frevel am Teil der Kulturlandschaft Berlin-Potsdam wenden, auf rund 1000 erhöht, sagt Initiatorin Beate Burkhardt.“

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