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Frühjahr 2015 Seite 37
Die Rettung des Gutsparks Neukladow durch bürgerschaftliches Engagement
Teil 2
Beate Burkhardt
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Foto Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz, Baustadtrat Carsten Röding, Ortsvorsitzende der SPD Inge Mohrmann, Moderatorin Beate Burkhardt (Kladower Forum), Moderator Rainer Nitsch (Kladower Forum), Senatsbaudirektor Stimmann, stellvertr. Landeskonservator Dr. von Krosigk
Am 1.3.1999, nach meinem Beitritt zum Kladower Forum, schloss sich unsere private Bürgerinitiative offiziell mit dem Kladower Forum zusammen. Unsere erste gemeinsame Aktion war der Besuch beim Baustadtrat Thomas Scheunemann.
Zu späterer Zeit erfuhren wir, dass lediglich 1/3 der 63 Wohnungen das Interesse von Bundesbediensteten fand, 2/3 der Wohnungen waren auf dem freien Markt angeboten worden. Das war erneut ein Skandal und nicht hinnehmbar.
In „Imchen“ 97/2000 findet sich dazu ein Interview mit mir. „Zunächst haben wir bei der ersten Vorstellung des entsprechenden Bebauungsplans VIII 423 erfahren, dass Bürgerrechte noch greifen können. Wir – d.h. bisher mehr als 1.200 Bürger, die unseren Aufruf unterschrieben haben, dazu zahlreiche besorgte Anrufer und das Kladower Forum – können argumentativ durchaus Einfluss nehmen. Die vielen Träger öffentlicher Belange, die Parteien in der Spandauer BVV haben zunächst das Verfahren ausgesetzt, offenbar um sich endlich erst einmal wirklich sachkundig zu machen.“ Mit unserem Wissen schien auch das Gewissen der politisch Verantwortlichen zu wachsen.
Am 31.3.2000 lud das Kladower Forum zu einem Bürgerforum ein. Wir verteilten Flyer, brachten Aushänge an, verschickten E-Mails und baten die politisch Verantwortlichen aus der Senatsverwaltung, dem Bezirksamt Spandau, Vertreter des Bundesbauministeriums, das Bauunternehmen, sowie Presse, Funk und Fernsehen, mit uns gemeinsam zu diskutieren über „Die Zukunft des Gutsparks Neukladow – Private Wohnbebauung oder öffentlicher Landschaftspark?“. Hierzu fand ich eine Wortmitschrift zur Veranstaltung. Das Protokoll ist ein beachtliches Zeitdokument von nicht zu unterschätzendem Wert für die Historie um den Gutspark. So, wie es die Ära Mencken und Guthmann gab, könnte es aus meiner Sicht auch die Ära „Bürger retten den Gutspark Neukladow“ geben. Die Veranstaltung wurde von Rainer Nitsch und mir moderiert. Im Saal anwesend und unserer Einladung gefolgt waren u. a. Vertreter der Senatsverwaltung, des Bezirksamtes Spandau sowie Beauftragte des Investors, außerdem ca. 130 Bürger.
Eingeladen hatten wir auch den vorvertraglich bereits eingebundenen Investor für die vorgesehene Bebauung. Wir erhielten eine Absage. Allerdings tauchten während der Veranstaltung entsprechende Vertreter als interessierte Beobachter auf, ohne das Wort zu ergreifen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich alle Entscheidungsträger und Volksvertreter für den Erhalt des Gartendenkmals und die Wiederherstellung der historischen Gebäude ausgesprochen haben und im Rahmen ihrer Möglichkeiten einzusetzen gedachten. Die Veranstaltung endete mit einer Resolution, welche wir vorbereitet hatten und die einstimmig beschlossen wurde:
Bürgerforum „Über die Zukunft des Gutsparks Neukladow – private Wohnbebauung oder öffentlicher Landschaftspark“ am 31.3.2000 im DED, Kladower Damm 299, Saal 100
Auf dem Bürgerforum zur Zukunft des Gutsparks Neukladow am 31.03.2000 im DED haben die rund 130 anwesenden Bürgerinnen und Bürger folgende Resolution einstimmig beschlossen:
,,Der 200 Jahre alte, denkmalgeschützte Gutspark Neukladow samt Herrenhaus ist auf Grund seiner kulturhistorischen, künstlerischen und landschaftsprägenden Bedeutung sowie wegen seines Wertes für Natur und Erholung keine Dispositionsmasse für Wohnungsbau oder an anderer Stelle aufgetretene Finanzdefizite. Wir fordern deshalb
1. Von der Bundesregierung: die gegenstandslos gewordene Bebauungsabsicht des Gutsparks zur Wohnraumversorgung für Bundesbedienstete aufzugeben.
2. Vom Senat und dem Abgeordnetenhaus von Berlin: das in dem Flächennutzungsplan nach wie vor existierende Baufenster, das ursprünglich völlig anderen Zwecken dienen sollte (Arbeiterwohlfahrt) unverzüglich zu schließen.
3. Vom Bezirksamt Spandau: das Bebauungsplanverfahren VIII 423 unverzüglich nach Änderung des Flächennutzungsplans wegen Wegfall der Notwendigkeit und Unvereinbarkeit mit dem historischen Erbe einzustellen.
4. Vom Senat und Bezirk: ein parkverträgliches Nutzungskonzept zur langfristigen Sicherung und Wiederherstellung des Ensembles als Teil der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft zu entwickeln, umzusetzen und der Öffentlichkeit über die fortschreitende Planung und Realisierung zu informieren. Berlin-Kladow, den 31.03.2000
Für die Richtigkeit zeichnet der Veranstalter Kladower Forum e. V. Willi Gabel (1. Vorsitzender), Rainer Nitsch (2. Vorsitzender), Beate Burkhardt (Moderatorin), Marion Wollenberg (Protokollführerin).“
Der Antrag auf Änderung des FNP wurde am 22.1.2001 gestellt, 2002 wurde das Baufenster im Gutspark endgültig gelöscht.
Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft auf engagierte Bürger angewiesen ist. Unser Blick sollte daher auf bestehende Ungerechtigkeiten gerichtet sein und ein Nachdenken darüber gefördert werden, welche Werte im gesellschaftlichen Miteinander wirklich zählen. Fast wäre das Kleinod an der Havel verloren gegangen, die Bebauung mit Wohnhäusern hätte ausgereicht, um es unwiderbringlich zu zerstören. Fast niemand hätte geglaubt, dass engagierte und durchsetzungsfähige Bürger unter der Federführung des Kladower Forum e. V. die Bauabsichten stoppen könnte …
„Auf nichts ist Verlass. Nur auf Wunder.“ (Mascha Kaleko)
