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Winter 2023 Seite 07
Die Rockband Bright Madness
(Just keep your dreams young)
Pamela Lammers
Der Spätberufene. Das Talent. Der Könner.
Die Musik hatte keinen Beginn. Sie war immer irgendwie da gewesen.
Musik war Gangart und Leidenschaft und wurde und blieb Sprache, Gefühl, Leben. Sie waren die 50er Jahre Nachkriegskinder, die 60er der Schulterschlüsse und Barrikaden und die love&peace Generation der 70er Jahre.
Für alle drei begann die Musik mit ungefähr 16 und wurde zum Song ihres Lebens. Freundschaften unter Jungs halten bekanntermaßen gern mal ein Leben lang. Als Frau hatte ich den Grund immer in einer gewissen Unlust zu Veränderungen gesehen. Inzwischen denke ich, es sind die Selbstverständlichkeiten von fast archaisch gewonnenen Prioritäten: Musik. Aus- und Einkommen. Freunde. Vielleicht noch ein mehr oder weniger durchgebratenes Steak. Es muss jedenfalls etwas mit ‚Jungs-Treue‘ zu tun haben. So etwas wie das Wort ‚immer‘. Unhinterfragbar.
Vielleicht sind Männer Männern gegenüber auf Zeitlosigkeit ausgerichtet und dort gilt ‚You’ve got a friend‘ ebenso wie ‚I’ll stand by you‘: Einfach absolut.
Willi
1948 im hohen Norden geboren. Musik und Takt: Ostseewind und Wellen. Erster Songwriter: Einsamkeit und USA-Träume.
Das elektronische (leise!) Schlagzeug kam mit dem Postversand 2013 ins Haus, als sein anspruchsvolles berufliches Leben unerwartet still stand:
‚Just keep your dreams and act wise like an actor of your life!‘
Wünschen war das eine – Wollen das andere – Machen wurde die Herausforderung.⁷
Willi: ‚Damals in den Sechzigern, mit 16, hatte ich einen Traum. Amerika! Englisch sprechen können, ein Traktor, mit dem ich über die Weite der Felder fahre. Ich war begeistert von dem Piratensender, den wir als Jungen über UKW hören konnten. Musik war für mich unübertroffen wichtig und von zentraler Bedeutung. Ich besaß sogar einen Tonbandgerätekoffer, den ich in die Schule mitschleppte. Ich konnte meine Songs vom Radio aufnehmen und dann mit einem zur Spirale gebogenen Draht beim Abspielen einen Hall in der Musik erzeugen. Das war mein erstes eigenes Rockkonzert!
Unter den Jungs war einer, der verdiente meinen ganzen Respekt für die unglaublich vielen Aufnahmen, die er sammelte. Das wurde mein bester Freund. Wegen der beachtlichen Menge an Musik!
Musik war für mich Freiheit. Weg-sein-können. Zuhause der Enge entkommen. Keine väterliche Marschmusik mehr, keine Schlager, keine Klassik auf dem mütterlichen Klavier.‘
Der Sound und Groove kam für Willi aus der Live-Discothek in Kappeln und Eckernförde.
‚Mein Lieblingsstück? Damals? LEADER OF THE PACK! von den ‚Shangri-Las‘ girls.‘ (das sollten Sie mal googeln! ;))
Jahrzehnte später, 2017, als Willis Leben sich nach Lehramt und der Leitung einer berufsbildenden Siemens-Privatsschule neu erfinden musste, traf er ‚die Jungs‘ im Kulturzentrum Staaken für das ausgeschriebene Projekt: ‚Rentnerband‘.
Die neue Standortsuche begann für ihn mit einem nagelneuen ‚richtigen‘ Schlagzeug: Schön laut!
Here I am – on the road again
there I am – up on the stage
here I go – playing star again
there I go – turn the page
(Text und Musik: Bob Seger. Frei übersetzt: Ich bin wieder unterwegs. Dort oben auf der Bühne bin ich ein Star. Dort steh ich und schlage eine neue Seite auf.)
Tankred
1953 in Berlin geboren und geblieben. ‚Gute Musik‘ hatte für Tankred immer etwas mit Handwerk zu tun. Gute Musik entsteht durch Können. Die ganz konkrete Antwort sieht er im Ergebnis: ‚In guter Musik macht der Musiker quasi zur richtigen Zeit genau das Richtige! Die Qualität von Musik kann immer auch vom handwerklichen Können aus betrachtet werden – zusammen mit dem Ergebnis – nämlich ihrer Stimmigkeit.’
‚Als wir uns kennenlernten, im Staakener Kulturzentrum, wollten wir einfach zusammen Musik machen. Detlev, Willi und ich. Die Herausforderung war das gemeinsame Spiel. Ich finde, wir haben uns dann gleichzeitig einfach alle ANEINANDER entwickelt. Unsere Band ist organisch gewachsen. Aus Lust auf die gemeinsame Musik. Und aus Freundschaft.‘
Tankreds Leben war bunt. Mal arbeitete er auf dem Bau. Dann begann er Kunstgeschichte zu studieren. Er hatte Cello gelernt und spielte in einer Band im Keller. Er führte eine Kneipe und eine Hausmeisterei. Er machte sein Vordiplom in Kommunikationswissenschaften, besitzt 2000 Schallplatten, hörte in früheren Zeiten 16 Stunden am Tag Musik und träumte von Bodenhaftung:
‚Ich wäre gern in die Rolle von Gunter Sachs geschlüpft. Den fand ich gut!‘
(Anmerkung: Bei Tankred steht ein altes Oldtimer-Cabrio-Projekt in der Garage, das vielleicht noch eines Tages rot rauskommt).
Tankred ist der, der eisern lernt und übt. Gesangsunterricht. Musikhören. Experimentieren. Lernen. Üben. Gleichzeitig ist er bodenständig seinem Einkommen neben der Musik verpflichtet. Seine Bassgitarre und sein wunderbarer Gesang sind cool und dabei im selben Ton durchs Gefühl zu Herzen gehend.
Wahrscheinlich wird er noch entdeckt.
(Der Blues befreit sie alle!)
Tankreds Lebensphilosophie: ‚Es gibt keinen Sinn-des-Lebens. Wir sind ‚just dust in the wind‘. Leben ist Zufall und der Sinn entsteht vielleicht dadurch, dass man sich in den Zufällen richtig anstellt.‘ Und: ‚Die große Liebe ist wichtig! Sie war immer um mich rum. 16 Stunden am Tag!‘ (Nicht nur die Musik ist gemeint!)
Tankreds Credo: ‚Es gibt zwei Sorten von Musik: gute und schlechte Musik. Wenn sie spannend ist und dich bewegt – ist sie gut!‘
Here I am – on the road again there I am – up on the stage here I go – playing star again there I go – turn the page
Detlev
1962 in Berlin geboren. ‚Da biste Fahrrad gefahren – und Paff! Gegen die Mauer! Alle hatten sie hier Kriegserfahrung. Wir lebten in Berlin im Brennpunkt der Weltgeschichte.‘
Detlev wurde von der Subkultur Berlins geprägt. Er war Teddyboy und Punker.
Er lernte von den Eltern, auf Reisen, unterwegs zu sein und mit anderen das Segeln auf einem Dreimaster. Er arbeitete bei einer Seemannsmission in Südafrika und er ist Berliner Sozialarbeiter.
Wichtig ist ihm: Das Neue immer wieder mit dem Erlernten zu verbinden!
Von 12. Lebensjahr an hatte er immer seine Gitarre dabei und lernte alle Lieder, die schnell zu spielen waren. Rock’n Roll, Blues, Shanty, Folk…Creedence Clearwater Revival. Neo Rockabilly…Irish Punk.
Detlev ist einer, der Musik ‚kann‘. Und dieses Können ist Selbstbewusstsein und Machen! Detlev: ‚Musik ist dann gut, wenn sie ihr Publikum erreicht!‘. Er sieht Arbeit und Ziel, Herausforderung und auch Reduktion in der musikalischen Entwicklung so:
‚Etwas Lernen, gute Musik zum Beispiel, ist Anspruch plus Herausforderung passend zu meinen Fähigkeiten. Es geht um ständige, bewusste Entwicklung, in der die einzelnen Entwicklungs-Phasen hinter sich selbst gelassen werden. Entwicklung heißt: Nie stehenbleiben! Abschließen können! Weitergehen!‘
(‚Triffst du Buddha unterwegs – töte ihn.‘ Dieser alte Zen-buddhistische Lehrsatz ging in unserer Kultur in die kluge Fahrlinie ein: DER WEG IST DAS ZIEL!)
Detlev ist ein „Macher’”. ‚Mein Ziel war es, in allen Bereichen, in denen ich arbeite, mein Geld zu verdienen. Ich bin Sozialarbeiter und früher einmal Seemann gewesen. Ich bin Musiker, hab’(?) im Filmbereich gearbeitet und auf einer Seemannsmission in Südafrika.‘
Seit 2016 leitet er das Kulturzentrum in der Staakener Sandstraße und verwaltet-fördert-plant-vernetzt-gestaltet-leitet Fortbildungen, Freizeit, Kulturveranstaltungen, Nachbarschaftsinitiativen, Menschen und Musik!
Detlev: ‚Wir sind alle unterwegs im Leben – und wir suchen!‘
Die Bright Madness Band? …Die ‚Jungs’…? ‚Easy to handle! Alles soll vor allem entspannt laufen!‘
Was braucht ein Musiker, um in einer Band von der Musik leben zu können? Nach Detlevs Ansicht:
‚Man muss Bock dazu haben – ein sehr gutes Handwerk beherrschen – Netzwerke aufbauen können – Einkommen generieren – die eigenen Ressourcen klären – keinen Zank beginnen – Lust haben, dich vor Menschen zu stellen. Und was zu ihrem Bright-Madness-Erfolg geführt hat, nennt Detlev die ‚Vereinbarkeit von drei eigenständigen Charakteren bei gleichzeitiger Wertschätzung von Harmonie.‘
Die Herausforderung in einer Band ist für ihn klar: handwerklich immer besser werden – und womöglich bei ‚Germanys next Seniorenband-Wettbewerb‘ auf der Bühne (be-)stehen
Here I am – on the road again
there I am – up on the stage
here I go – playing star again
there I go – turn the page
‚Wir machen Rock’n Roll der 50er, 60er und 70er, das ist die Musik, die in den Genen unserer Generation steckt. Chuck Berry. Elvis. Beatles. Stones. Bowie. Springsteen… Das ist Musik für body&soul – also zum Tanzen. Unsere Musik und das tanzende Publikum gehören zusammen.
Wenn vor unserer Bühne die Menschen auf ihrer Bühne tanzen – das pusht die Laune und die Qualität der Musik. Das gehört zusammen: Musiker – Musik – Publikum – Tanzen.‘
Wer einen Abend bei ‚Bright Madness‘ im Kulturzentrum – die Bierflasche in der Hand – mitmachen will: Just turn the page – und tanze! – as time goes by…
Die Band ‚Bright Madness‘ besteht seit 2017 mit Detlev Cleinow, Tankred Müller, Willi Lammers.
Auftritte: Kulturzentrum Staaken. Kleine Philharmonie Kladow. Staakener Straßenfest. Verein ‚Handiclapped‘.
