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Winter 2023 Seite 19

Geht uns hier im Spandauer Süden die geplante Krankenhausreform irgendetwas an?
Ein Gespräch
Burkhard Weituschat
portrait

Interview mit Christa Foppe, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

Geht uns hier im Spandauer Süden die geplante Krankenhausreform irgendetwas an?

Treffpunkte: Wenn frau ein Krankenhaus mit ca. 900 Beschäftigten leitet, immer zu wenig Geld und Personal da ist, von außen eine Reform angekündigt wird, in so einem großen Unternehmen immer irgendwo irgendetwas „brennt“ … Was macht Christa Foppe, damit sie nicht krank wird und ins Krankenhaus muss?

Christa Foppe: Naja, die Frau Foppe geht jeden Morgen eine halbe Stunde zu Fuß zu ihrem Arbeitsplatz und wenn es irgendwie möglich ist, auch abends 30 Minuten zurück. Vielleicht sind es abends auch 33 Minuten. Das tut schon gut, entscheidend für meine persönliche Belastung ist aber etwas anderes: das Arbeitsumfeld, das Betriebsklima. Und da haben wir hier wirklich etwas Gutes geschaffen. Wir sind sechzig Führungskräfte in diesem sehr komplexen Haus, die sich gut aufeinander verlassen können. Das beruhigt ungemein.

TP: Ist jetzt bald Schluss mit der Ruhe? Der ungeübte Laie und Leser hört, dass Betten in den Krankenhäusern abgebaut werden sollen, Krankenhäuser neu sortiert werden sollen, die Finanzierung verändert werden soll. Müssen wir jetzt Angst um „unser“ Krankenhaus im Spandauer Süden haben?

CF: So dramatisch wird es nicht werden, aber die genauen Auswirkungen sind noch nicht ganz klar, die Verhandlungen und die politischen Auseinandersetzungen laufen noch. Was uns besorgt: Wenn es zur Reduzierung der Krankenhauskapazitäten kommt, wird es ein Wettrennen darum geben, wer, was und welches Haus mit welchem Leistungsspektrum überlebt. Da werden die Länder und die Gebietskörperschaften wahrscheinlich einiges tun, um „ihre“ Kliniken zu retten, also die landeseigenen und/oder Kreiskrankenhäuser. Das könnte sich dann auch so in den Gesetzen und Regelungen wiederfinden.

Die frei-gemeinnützigen Kliniken wie z.B. Havelhöhe, die Kliniken der Caritas, der Diakonie, des Deutschen Roten Kreuzes können dann schon eher beiseite geschoben werden.

TP: Jetzt sag ich „najaaa“. Sind die Kliniken in privater Rechtsform, GmbH oder Aktiengesellschaft, so wie Havelhöhe, nicht zentral am Gewinne-machen orientiert? Wieviel hat die GmbH Havelhöhe in den letzten Jahren als Gewinn ausgeschüttet?

CF: Nix, nicht einen Cent. Wir sind gemeinnützig. Jeder Jahresüberschuss wird wieder in das Krankenhaus investiert: für die Technik, neue Entwicklung, Fortbildung des Personals, für die Anpassung an die Zukunft. Deshalb haben wir Sorge, dass bei den geplanten Regelungen nicht genau hingeschaut wird, nicht beachtet wird, dass es diesen feinen aber existenziellen Unterschied bei Krankenhäusern in privater Rechtsform gibt. Wir werden zusammen mit den anderen Trägern (der Caritas, der Diakonie, DRK) gemeinsam versuchen, dass durch die Scheuklappen des Bundes und der Länder keine Regelungen kommen, die dann wieder niemand gewollt hat.

TP: Falls die Luft dann mit den neuen Regelungen dünner werden sollte: Müssen wir als Patienten damit rechnen, dass uns Patienten als erstes, bevor wir überhaupt durch die Krankenhaustür durch sind, sofort Leistungen angedreht werden, die sich für die Klinik gut rechnen? Oder sichern, dass Ihre Chefärzte dickere oder gern vielleicht auch flachere Autos fahren können?

CF: Keine Chance, Entwarnung. Es bleibt bei den bekannten Wahlleistungen, Einzelzimmer oder nicht, Chefarztbehandlung oder nicht, was man so kennt. Alles andere wäre auch nicht unser Stil. Und was Ihre Sorge um den privaten Fuhrpark der Chefärzte betrifft: Wir reden niemandem in sein Hobby rein, so er oder sie denn so eines hätte. Das geht aber schön aus dem privaten Gehalt.

Die Einnahmen aus der Chefarztbehandlung gehen zu 85% in den allgemeinen Haushalt des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe. Daraus werden insbesondere nicht durch Fördermittel finanzierte Baumaßnahmen ermöglicht. Über die anderen 15% kann der Chefarzt verfügen, aber nur für Zwecke der Klinik. Da geht nichts in die private Tasche. Nicht einmal für Benzin.

Wenn es um die Verwendung der Mittel der Beitragszahler für das Wohl der Beitragszahler geht, scheuen wir keinen Vergleich, nicht mit gewinnorientierten Kliniken und auch nicht mit öffentlichen Kliniken. Keinen.

TP: Man ist ja trotzdem irgendwie besorgt. Müssen wir Angst um irgendeine Leistungsabteilung der Klinik haben? Müssen wir Angst um unsere Erste Hilfe haben, für deren Weiterführung Kladow richtig aktiv war, als es um die Übernahme der Klinik an den Verein Havelhöhe ging? Unsere Kinder werden ja auch weiterhin irgendwelche Experimente machen und die Papas werden wahrscheinlich auch weiterhin am Wochenende mit Kochmesser, Bohrmaschine, Rasenmäher und Kettensäge üben.

CF: Nochmal Entwarnung, die Erste Hilfe bleibt, die ist schon zentral für den Spandauer Süden. Bei den anderen Stationen erwarten wir keine großen Änderungen oder gar Schließungen, obwohl vieles nicht endgültig klar ist, deshalb können wir irgendwelche Änderungen nicht ausschließen. Dass die aktuellen Finanzierungs- bzw. Abrechnungssysteme schwere Mängel haben, ist allen klar, da sind sich mal wirklich alle einig. Bei der Verbesserung geht’s dann eben los mit der Diskussion. Wobei man auch fair sein muss: Da hängt so vieles zusammen, dass man nicht einfach an einer Schraube drehen kann und dann bleibt alles Übrige, wie es ist. Stellen Sie sich eher ein Mobile vor, sie bewegen ein Teil, dann bewegt sich alles mit und man kann nicht genau berechnen, welches Teil wie genau.

Wir sind auch froh, dass wir vom Bezirk Spandau, den Stadträten und dem Bürgermeister sehr gut unterstützt werden.

TP: Was können wir Kladower für unser Krankenhaus tun? Kränker werden, mehr mit der Kettensäge?

CF: Das lassen Sie beides mal schön bleiben. Aber wenn es denn soweit kommen sollte, freuen wir uns über ihr Vertrauen und das der zuweisenden Ärzte.

TP: Vielen Dank, Frau Foppe. Lassen Sie uns lieber früher als später wissen, wenn die Kladowerinnen und Kladower etwas tun können. Wir möchten „unser“ Krankenhaus hier schon gern behalten.

Und zum Abschluss etwas zum Nachdenken: selbst wenn es die sogenannten Überkapazitäten an Krankenhausbetten gibt oder geben sollte, käme irgendwer auf die Idee die Vorhalteleistung „Feuerwehr“ zu halbieren, weil es zu wenig brennt?

Christa Foppe ist seit 2007 Geschäftsführerin Finanzen Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe gGmbH. Das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe (GKH) ist ein anthroposophisches Akutkrankenhaus und akademisches Lehrkrankenhaus der Charité mit 400 Betten. In 14 Fachabteilungen bietet das GKH ein breites Spektrum medizinischer Versorgung und leistet mit ca. 900 Mitarbeitern und ca. 13.000 Patienten jährlich seinen Beitrag zur Grund- und Regelversorgung in Berlin. Das GKH wird von den Krankenkassen und dem Land Berlin wie andere Krankenhäuser finanziert und steht allen Patienten offen, unabhängig von der Art ihrer Krankenversicherung. info@havelhoehe.de www.havelhoehe.de 030/36501-0

Das Gespräch führte Burkhard Weituschat

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