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Winter 2023 Seite 59

30 Jahre Konversion rund um die Döberitzer Heide
Wenn eine Landschaft entmilitarisiert wird
Winfried Sträter, Groß Glienicker Kreis

Was damals geschah, war eine echte Zeitenwende: „Der Abzug der russischen Truppen ist beendet“ titelte der Tagesspiegel am 1. September 1994. Und wenige Tage später: „Feierlicher Abschied von den West-Alliierten“. 30 Jahre ist das her, und dieses noch wenige Jahre zuvor undenkbare Ende der Besatzungszeit in Deutschland hat auch unsere Region nachhaltig verändert.

Um dies ins Bewusstsein zu rücken, hat der Groß Glienicker Kreis gemeinsam mit der „Interessengemeinschaft Geschichte Dallgow-Döberitz“ eine Initiative gestartet, an der möglichst viele Vereine zwischen Potsdam und Spandau beteiligt sein sollen. Die Idee ist, 2024 die Entwicklung der letzten 30 Jahre zu thematisieren, Erinnerungen an die Besatzungszeit wachzurufen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich die Landschaft rund um die Döberitzer Heide verändert hat, seitdem sich das kaiserliche Militär ab 1894 dort angesiedelt hatte.

Wenn man die Entwicklung der letzten 30 Jahre Revue passieren lässt, hat sich z. B. in Kladow und Gatow viel verändert. Nach dem Abzug der Westalliierten verwandelte sich der ehemalige Flugplatz Gatow in die Landstadt Gatow, am Havelufer entstand das Krankenhaus Havelhöhe, Kladow wurde zum Zuzugsgebiet, weil es nicht mehr „am Ende der Welt“ lag. Wer aber weiß noch, welche Kämpfe es in den 90er Jahren um die Nachnutzung der zuvor von den Alliierten genutzten Flächen gab? Das ist ein Thema, das 2024 im Rahmen des Themenjahres „30 Jahre Konversion rund um die Döberitzer Heide“ in Kladow aufgegriffen werden soll.

Viel schwieriger war die Situation in der Döberitzer Heide. Die sowjetischen Truppen hatten ein derart munitionsverseuchtes Militärgelände hinterlassen, dass nur Randbereiche neu genutzt werden können. Entlang der einstigen Transitstrecke B5 haben sich vom Havelpark bis Karls Erlebnisdorf Unternehmen angesiedelt. Der Kernbereich hingegen, die Döberitzer Heide, ist ein Wildnisgebiet der Sielmannstiftung, das nur umwandert, aber nicht betreten werden kann. Daran wird sich nichts mehr ändern.

Aus heutiger Sicht hat die hundert Jahre dauernde militärische Nutzung dazu geführt, dass ein großer Landschaftsraum zwischen Havel, Dallgow-Döberitz und Potsdam die Region nicht mehr verbindet, sondern trennt. Einst ließ sich Königin Luise von Schloss Paretz nach Schloss Charlottenburg quer durch die Döberitzer Heide kutschieren. Einst gab es das idyllische Dorf Döberitz und das Dörfchen Ferbitz. Die Dörfer sind ebenso verschwunden wie die alten Wegeverbindungen.

Vielleicht kann das Themenjahr 2024 dazu beitragen, dass die Erinnerung an die Zeit vor 1894 nicht ganz ausgelöscht wird.

Eine Plakatausstellung, die zurzeit vom Groß Glienicker Kreis und der Interessengemeinschaft Geschichte Dallgow-Döberitz vorbereitet wird, soll dazu beitragen.

Voraussichtlich im Januar 2024 wird sie im Havelpark eröffnet und geht dann auf Wanderschaft.

Nicht zuletzt soll das Themenjahr die Chance bieten, den kulturellen Austausch zwischen den Ortschaften zu fördern – zwischen Kladow und Groß Glienicke, aber auch bis nach Dallgow-Döberitz und Elstal. Die einzelnen Termine für die Veranstaltungen stehen noch nicht fest, werden aber rechtzeitig im Internet bekanntgegeben (www.grossglienickerkreis.de).

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