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Winter 2025 Seite 59

Wildtierexperte Derk Ehlert demnächst im Kladower Forum
Marina Bartsch-Rüdiger
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Seit über 30 Jahren werden immer häufiger Wildtiere in der Stadt beobachtet. Gehört Kladow eher zur Stadt oder zum Land? Irgendwo dazwischen – jedenfalls tummeln sich Fuchs, Marder, Waschbär, Pfau und viele Krähen in unseren Gärten. Und seit langer Zeit gibt es einen offiziellen Wildtierexperten bei der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: Derk Ehlert. Er ist übrigens der erste und scheint diesen Beruf erfunden zu haben, sozusagen ein Prototyp! Wir haben ihn für einen Vortrag Ende November gewinnen können, und bald war klar, dass der Platz im Kladower Forum nicht ausreichen würde. Zu viele kennen ihn bereits aus dem Fernsehen, von Veröffentlichungen und zahlreichen Aktivitäten. Der „Löwe“ in Kleinmachnow und das Kladower Känguru haben ein bisschen dazu beigetragen. Die Dorfkirche hat sich als Veranstaltungsort für die rund 120 Teilnehmer als genau richtig erwiesen.

Man sagt, Derk Ehlert sei der beste Öffentlichkeitsarbeiter für die Tiere, und das stimmt. Über zwei Stunden hat er mit nicht nachlassendem Elan berichtet und unzählige Fragen beantwortet. Das kann man nicht zusammenfassen, aber einige Punkte wollen wir festhalten.

Die wichtige Nachricht am Anfang „Die Tiere wollen Sie nicht ärgern!“ Sie folgen der Logik ihres Überlebensplans. Sie stehen in keinem Grundbuch, sie haben nirgendwo ein Namensschild, sie schauen, wo sie am besten ihre Jungen aufziehen können und genug Nahrung finden, und das führt zu Überschneidungen mit unseren Revieren: „Haben Sie Respekt – Angst muss es nicht sein.“

Weshalb leben Wildtiere in der Stadt?

Das ist gar nicht so schwer, überall gibt es vernetzte Grünanlagen, Freiflächen, Kleingärten usw. Das Nahrungsangebot ist ausreichend, es gibt kaum Jäger, viel wenige Pflanzenschutzmittel. Die Tiere können sich den Bedingungen gut anpassen. Das Verhalten der Stadttiere unterscheidet sich von ihren Artgenossen im Wald.

Der Stadtfuchs und die Landfüchsin Sie würden sich nie kennenlernen, keine Familie gründen, denn sie geht nicht in die Stadt, er geht nicht raus. Die Landfüchsin ist eine Jägerin, sie muss sich fünfmal weiter bewegen, um Futter zu finden, oft ist es eine Maus… Sie ist vor allem tagsüber aktiv. Durchschnittsalter: 1,4 Jahre. Der Stadtfuchs ist ein Sammler: Er geht zuerst zum Italiener, dann zum Döner, zum Imbiss, zum Großmarkt, zur Tankstelle. Das lohnt sich eher in der Nacht. Er hat ein höheres Gewicht, Durchschnittsalter: 2,3 Jahre.

In der Stadt kann eine Füchsin ihre Jungen allein aufziehen, aber sie sucht einen Ort, wo keine Hunde sind! Z. B. auf der Museumsinsel, auf dem Dach einer Baustelle. Bei Baufortschritt einfach Umzug auf die Nachbarbaustelle.

Für beide gilt: Oft haben Füchse Zweitund Drittwohnsitze. Sie haben Reviere, die verteidigt werden müssen, und wenn die Jungen im Oktober / November erwachsen sind, müssen sie sich ein eigenes Revier suchen.

Begegnungen

Auf derselben Fläche wie der Fuchs hat der Steinmarder sein Revier. Es gibt Stellen, an denen es sich so richtig für ihn lohnt, seine Duftmarke zu setzen – z. B. im warmen Motorraum ihres Autos… die weiche Dämmung ist hervorragend geeignet, seine Markierung zu verbreiten, und wenn man dann woandershin fährt, ein anderer Marder seine Markierung draufsetzt, dann geht das auf dem heimischen Parkplatz gerade wieder so weiter. Das darf man nicht persönlich nehmen! Wenn man Wildschweinen im Wald begegnet, sollte man laut vor sich hin sprechen. Sie kauen vielleicht Eicheln, also laut genug, dass sie Sie bemerken. Die Wildschweine ziehen sich dann zurück, denn der Mensch steht nicht auf ihrer Speisekarte. Anders, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen und keinen Ausweg sehen: Zäune rechts und links, Auto hinter ihnen… dann sollte man sich nach dem nächsten Kletterbaum umsehen.

Pfauen sind ein Problem in Kladow und Gatow. Sie sind sehr wehrhaft, haben starke Krallen und sind nachts sehr laut. Sie kommen nicht von der Pfaueninsel, das haben Blutproben eindeutig ergeben. Es ist schwierig, etwas gegen sie zu unternehmen, sie stehen nicht auf der Liste der invasiven Arten.

Waschbären sind sozusagen Neubürger. Es war ein Förster, der in den 1930er Jahren in Kassel Waschbären ausgesetzt hat. In Berlin sind sie für Pelze gezüchtet worden. Der Farmer hatte sie zum Ende des 2. Weltkriegs freigelassen, weil er kein Futter mehr hatte. Sie sind durchaus nicht putzig, sondern Allesfresser, die Schäden anrichten. Oft kann man sich nur schwer erwehren.

Stadttiere sind hart im Nehmen

Produkte, die vergrämen, braucht man nicht zu kaufen, die Tiere gewöhnen sich daran. Licht einschalten hilft genau einmal, beim nächsten Mal wissen die Tiere Bescheid, zu begehrt ist der sichere Platz unterm Dach. Machen Sie das Haus dicht, vermeiden Sie „Kletterhilfen“.

Füchse und Marder mögen keine Hunde, da können Haare aus der Fellbürste vom Nachbarn schon helfen.

Füttern verboten!

Wir wollen keine handzahmen Wildtiere haben. Die müssen sonst entfernt werden. Oft denkt man, die Tiere sind am Verhungern, aber mager sind nur die kranken Tiere. 60 – 70 % der Berliner Füchse sind derzeit an Staupe oder Räude erkrankt. Wir greifen da nicht ein, nur wenn der Bestand gefährdet ist. Der Mensch will helfen, aber es ist ein Irrtum zu meinen, die Tiere kommen allein nicht zurecht. Und kontrollieren Sie mal, wer ihr Katzenfutter frisst, wenn sie es rausstellen!

Mitnehmen verboten!

Jungtiere ohne Eltern nicht anfassen und nicht mit nach Hause nehmen! Die Anrufe, hilflose Tiere gefunden zu haben, kommen vor allem am Wochenende – „Ich habe stundenlang gewartet, da kam kein Reh“.… Rehe kommen nicht zu ihrem Kitz, wenn Menschen danebenstehen. Das gilt auch für andere Tiere. Und umgekehrt gilt: Setzen Sie keine Tiere aus, Schildkröten z .B. gehören nicht in den nächstgelegenen Teich. Was fällt auf?

Die Bestände von Eichhörnchen und Igel nehmen ab. Es ist zu heiß, sie finden zu wenig Nahrung, bekommen ihre Jungen zu spät und dann wird es zu schnell kalt und die Jungen überleben nicht. Aber: Igel bitte, bitte nicht zu früh reinholen, weil man meint, man muss ihnen helfen. Lassen Sie keine Mähroboter laufen, schon gar nicht nachts.

Was erstaunt:

Berlin ist artenreicher in Bezug auf die Fläche als das Umland. In der Stadt gibt es verschiedene Biotope, auf dem Land ist es sozusagen „aufgeräumter“.

Es gibt fünfmal mehr Füchse in der Stadt auf gleichem Raum.

Es gibt mehr Insekten in der Stadt, weil hier kaum Pflanzenschutzmittel verwendet werden.

Tiere haben Probleme mit der Zeitumstellung, weil wir die Zeit umstellen. Die Rushhour wird gefährlich, weil sie plötzlich eine andere Zeit hat, aber nach 2 Wochen hat sich das geregelt. Seien Sie fleißig unfleißig: Wenn wir den Tieren nichts übriglassen, müssen wir uns nicht wundern, wenn sie nicht überleben. Lassen Sie das Laub liegen. Sträucher und Samenstände nicht schneiden. Schmutzige Fenster helfen gegen Vogelschlag. Verzichten Sie auf das Spritzen Ihrer Rosen.

Letzte Tipps:

Wegen verletzter Tiere und Fragen nicht sofort die Revierförsterei anrufen, sondern das IZW, Berlins zentrales Netzwerk für Wildtiere: (030) 5 168 168

Über Apps kann man sehr viel erfahren, z. B. https://www.wildtiernahberlin.de Es gibt übrigens eine Derk-Ehlert-Stiftung, die rund 100 km von Kladow entfernt – am Gülper See – ein Naturschutzgebiet sichert. Ein international beliebter Pilgerort für Vogelkundler.

https://naturerbe.nabu.de/stiftungsfamilie/ treuhandstiftungen/derk-ehlert-stiftung/ index.html

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