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Frühjahr 2026 Seite 15

Buchbesprechung
Der stille Freund von Ferdinand von Schirach
Andreas Kuhnow
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Das vorliegende Buch ist eine Sammlung von Erzählungen. Geschichten aus dem und über das Leben. Geschichten, die rein fiktiv sein können, aber auch im Umfeld des Autors geschehen, haben wir es doch im gesamten Buch mit einem direkt mit den Protagonisten kommunizierenden Menschen zu tun. Der Ich-Erzähler, der immer wieder Fragen stellt, Dinge kommentiert und damit dem Geschehenen eine neue Tiefe gibt, gleichzeitig eine gewisse Melancholie durchscheinen lässt. So sind das durchgehend keine fröhlichen Geschichten, manche Schilderungen auch von Aggression und Gewalt durchzogen, wenn es zum Beispiel um einen für mich als Leser nachzuvollziehenden Ausgleich, um nicht zu sagen Rache geht.

Es ist immer wieder der Alltag, das Menschliche. Und dadurch auch vermeintlich einfache Dinge, um die es geht. Das Fragen nach Wirklichkeit und Wahrheit, was ist was? Was ist nachweisbar und was kann gelogen sein? Die tägliche Frage, was sollen mir Nachrichten sagen und was sagen sie mir? Wie wird formuliert, wie geschildert? Welche Elemente werden um des Platzes willen eventuell nicht berichtet? Daneben das Thema der Gerechtigkeit. Was ist gerecht, wo herrscht Gerechtigkeit, wie sieht sie aus und wer entscheidet das? Auch das ein Thema, mit dem der Jurist eher nachdenklich umgeht.

Daneben die Betrachtung der eigenen Person im Miteinander, die Betrachtung der eigenen Schuld, des eigenen Versagens. Der studierte Psychologe, der nicht mehr als solcher arbeitet, der jetzt Taxi fährt, der sich die Schuld am Tode eines Patienten gibt, die er im Nachhinein gesehen hat, da er nicht angemessen reagierte. Ein Kapitel mit Gedanken über den Tod, in dem von Schirach Menschen aus der Vergangenheit zu Wort kommen lässt, wie zum Beispiel Pater Delp, der, im 3. Reich zum Tode verurteilt, vor der Hinrichtung noch zu seinem Henker sagt, dass er in wenigen Minuten mehr wissen werde als der Henker. Und die den Titel gebende erste Geschichte, in der er über seine im Grunde philosophische Freundschaft mit seinem im eigenen Flugzeug abgestürzten Freund schreibt. Der Freund, der eine große Gier nach den Gedanken großer Denker hat, diese schier aufsaugt, um sie für die Menschen nützlich zusammenzuführen, damit die Menschen vor den immer gleichen Fehlern, die sie machen, bewahrt bleiben. Ein Ansinnen, das nun die Tochter an den Ich-Erzähler heranträgt, was dieser beantwortet: „Ich bin Schriftsteller, ich erzähle Geschichten.“

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