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Frühjahr 2026 Seite 21
Das Kladower Windkraftwerk
Werkstatt Geschichte
Peter Streubel
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Seit dem Stromeinspeisungsgesetz von 1990 stieg der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung in Deutschland kontinuierlich an: Von 4,8 % im Jahr 2000 über 9,2 % im Jahr 2015 stieg er trotz schwacher Windverhältnisse auf 27,2 % im ersten Halbjahr 2025. Damit war die Windenergie nicht nur Spitzenreiter unter den erneuerbaren Energieträgern, sondern auch wichtiger als die konventionelle Energiegewinnung aus Kohle (22,7 %). [1]
Um weitere Fortschritte in diesem Bereich zu erreichen, sind die Bundesländer verpflichtet, Zonen für den Bau neuer Windräder auszuwählen; in Berlin sind dafür 0,25 % der Landesfläche ausgewiesen. Als eine Vorrangfläche für die bis zu 150 m hohen Räder wurden u. a. die Gatower Rieselfelder festgelegt. [2]
In Groß Glienicke wurden 2025 Pläne für einen „Windpark Groß Glienicke Nord-Ost“ an der Bundesstraße 2 vorgestellt, für den in einer ersten Phase 2-3 Windräder mit einer Höhe bis zu 200 Metern und einem Rotordurchmesser von 170 Metern vorgesehen sind.
Unser Interesse an der geschichtlichen Entwicklung der Windkraft und an einem möglichen lokalen Bezug wurde geweckt durch die folgende Frage, die der SPD-Abgeordnete Bernd Reuter, der von der 1980 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages war, am 13. März 1985 an das damalige Bundesministerium für Forschung und Technologie stellte: „Inwieweit hat sich das Bundesministerium für Forschung und Technologie bei der Forschungsförderung für Windkraftanlagen die Erfahrungen zunutze gemacht, die die ‚Windkraftgesellschaft mbH Berlin‘ mit dem Bau des ersten, mit vier Flügeln und automatischer Steuerung der Anstellwinkel ausgestatteten 1000 KW-Windkraftwerkes ‚Teubert‘ bei Kladow/Havel im Jahr 1935 (!) sammelte?“ [3]
Diese Frage wurde von Dr. Probst, dem damaligen Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung und Technologie, in schriftlicher Form beantwortet: „Die historischen Versuche der Stromproduktion mit Windkraftwerken sind bei der Wiederaufnahme der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten nach 1973 bekannt gewesen und berücksichtigt worden. Tatsächlich sind die damaligen Anlagen vom Konzept her sehr fortschrittlich gewesen (hohe Leistungsbeiwerke, Blattverstellung, Beherrschung der Schwingungen bei Teubert und Ausnutzung des Windes in größeren Höhen über Grund bei Honnef), jedoch war man nach dem damaligen Stand der Technik für den Bau der angesprochenen großen […] Anlagen im Megawattleistungsbereich eher noch überfordert.“ [4]
Es ist natürlich nicht bekannt, ob diese sehr allgemein gehaltene Antwort den Fragesteller 1985 zufriedengestellt hat, uns aber genügt sie nicht: Zwar werden mit den Namen Teubert und Honnef die beiden wichtigsten Kontrahenten um die Finanzierung und den Bau von Windkraftanlagen in den 1930er Jahren genannt, aber auf das uns besonders interessierende Kraftwerk „bei Kladow/Havel im Jahr 1935 (!)“ wird leider nicht eingegangen. Deshalb wurde in einem ersten Ansatz versucht, durch die Beschäftigung mit den beiden Windkraftpionieren auch Informationen über das Kladower Windkraftwerk zu erhalten. Der 1885 in Magdeburg geborene Wilhelm Teubert befasste sich anfangs als Schiffbauingenieur mit der Entwicklung und der Erprobung von Eisenbetonschiffen, die allerdings bald wegen unzulänglicher Betriebssicherheit keine Zulassung mehr erhielten, sodass er 1930 nach Berlin ging und sich fortan Fragen der Nutzung der Windenergie widmete. Er nahm Kontakt zum Ingenieur Hermann Honnef auf und verfasste für dessen 1932 veröffentlichte Broschüre „Windkraftwerke und ihr Einfluß auf die deutsche Wirtschaft“ das Schlusswort: „Von Reg.- und Baurat a. D. Dr.-Ing. Teubert-Berlin. Der Gedanke, den seit Urzeiten benutzten, für wirkliche Krafterzeugung aber noch nicht ausgenutzten Wind in eine allgemeine Kraftwirtschaft einzuschalten, hat auch mich bestochen, wenn auch die ungeheure Kühnheit der Konstruktion nicht geringe Bedenken ausgelöst hat.
Da ich nun aber in monatelanger Zusammenarbeit mit Herrn Honnef und auf Grund der von mir bei namhaften Sachverständigen eingeholten Einzelgutachten die Überzeugung gewonnen habe, daß seine Berechnungen auf gründlichstem Studium der Windverhältnisse und eingehenden Untersuchungen der technischen Ausführungsmöglichkeiten aufgebaut sind, so habe ich mich mit allen Kräften dafür eingesetzt, diesem neuen Plan den Weg zu bahnen.“ [5]
Teubert, der in der Folgezeit mehr als 10 Patente im Zusammenhang mit der Ausnutzung der Windkraft zugesprochen bekam, spielt mit der Formulierung „ungeheure Kühnheit der Konstruktion“ darauf an, dass Honnef, der 1925 maßgeblich an der Planung des 243 Meter hohen Mittelturms des Senders Königswusterhausen mitgewirkt hatte, nur den Bau von Höhenwindkraftwerken als geeignetes Mittel einer profitablen Energiegewinnung ansah. Auf Basis der Annahme, dass Höhenwinde relativ konstant und angemessen stark sind, entwarf Honnef z. T. utopische Pläne, die in Zeitungsartikeln vorgestellt, aber nie verwirklicht wurden: „Das erste Windkraftwerk […] soll in Höhe von 400 Meter in der Nähe der Ausstellungshallen des Berliner Messeamtes am Kaiserdamm auf einem vorhandenen freien Platze errichtet werden und damit das höchste Bauwerk der Welt sein; denn der Eiffelturm hat ‚nur‘ eine Höhe von 300 Meter, das Woolworth-Haus in New York eine solche von 228 Meter, der Kölner Dom eine Höhe von 156, der Berliner Funkturm und die Cheops-Pyramide von 133 Meter, das Völkerschlachtendenkmal von Leipzig eine Höhe von 91 Meter. […]
Die Reichsrundfunkgesellschaft wird an der höchsten Stelle des Turmes ein Versuchslaboratorium für Fernsehversuche einrichten, da bisher keine Möglichkeit bestand, in unmittelbarer Nähe der großen Versuchsanstalten praktische Versuche aus einer derartigen Höhe vorzunehmen. Weitere Einnahmen wird ein Restaurant erbringen, das in neun Etagen übereinander in der luftigen Höhe von 250 Meter über dem Erdboden errichtet wird. Je drei Etagen werden als billiges Bierrestaurant, als Kaffee und als Luxusrestaurant eingerichtet. Die Küche wird im mittleren Geschoß untergebracht, sodaß Speisen und Getränke in Fahrstühlen schnell nach oben und unten geschickt werden können. Dreistöckige Fahrstühle können 10.000 Besucher in der Stunde befördern, so daß bis zu 100 000 Besucher das gigantische Werk besichtigen können.“ [6]
Im Unterschied zu Honnefs Konzept der Höhenwindkraftwerke setzte Teubert zunehmend auf überschaubare Dimensionen und die Weiterentwicklung bewährter Technik, um dadurch bei staatlichen Stellen und bei Firmen mit seinen Bemühungen um finanzielle Unterstützung für sein Projekt erfolgreich zu sein. 1932 veröffentlichte er eine 29-seitige Broschüre mit dem Titel „Windkraftwerk Teubert – Elektrische Ausrüstung und Kraftübertragung“, die er dann – er war am 1. Mai 1933 in die NSDAP eingetreten – bei verschiedenen staatlichen Stellen zur Veranschaulichung seines Systems verwendete und in den folgenden zwei Jahren an die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten anpasste. Seitdem die Nationalsozialisten den Reichskanzler stellten, war sowohl Teubert als auch Honnef daran gelegen, eine Unterstützung für das eigene Projekt von allerhöchster Stelle zu erhalten, denn die Anträge auf grundsätzliche Unterstützung und auf staatliche Kredite mussten die Zustimmung von verschiedenen am Genehmigungsprozess beteiligten Ministerien erhalten. In diesem Bemühen um Einflussnahme gelang es Teubert, Kontakt mit Wilhelm Keppler aufzunehmen, der Beauftragter für Wirtschaftsfragen in der Reichskanzlei war und ihm in einem Brief vom 27.9.1933 mitteilte: „Sehr geehrter Herr Doktor Teubert, Ich habe inzwischen mit dem Führer wegen des Problems der Windkraftwerke gesprochen, und er würde die Ausführung einer Anlage begrüssen, falls eine sachverständige Prüfung einen bestimmten Erfolg erwarten lässt. Die Verbindung mit einer Ausstellungshalle lehnt er, wie erwartet, ab und äusserte sich weiter dahin, dass man sich betreff der Masse des Windrades lieber etwas beschränken solle, um vor Misserfolgen geschützt zu sein.“ [7]
Aus diesem Brief wird deutlich, dass schon im September 1933 von vielen Entscheidungsträgern versucht wurde, sich durch Rücksprache beim Reichskanzler abzusichern. Und falls es erstaunt, dass Hitler, der doch später von Speers gigantischen Plänen zur Errichtung der „Reichshauptstadt Germania“ begeistert war, sich für geringe Dimensionen bei einem Windkraftwerk aussprach, so ist zu bedenken, dass das politische Hauptaugenmerk zu diesem Zeitpunkt noch auf der Festigung der Macht lag, dass man sich kostspielige Fehlinvestitionen noch nicht leisten konnte und dass die bestehenden Elektrizitätswerke wegen der noch andauernden Wirtschaftsflaute nicht ausgelastet waren. Außerdem dachten die Nationalsozialsten bereits zu diesem Zeitpunkt daran, in den nächsten Jahren enorme Finanzmittel für die militärische Aufrüstung zur Verfügung zu stellen. So wurde ja z. B. bereits Ende 1934/Anfang 1935 in Kladow/Gatow mit dem Bau des Flughafens, der Fliegerschule, der Fliegerakademie und der Kaserne Hottengrund begonnen.
Dem Schreiben an Teubert entsprechend wurde das Reichswirtschaftsminister am 23.10.1933 durch Herrn Keppler informiert: „Die Verbindung eines derartigen Windkraftwerkes mit repräsentativen Räumen, Ausstellungshallen und dergl. findet nicht seinen Beifall. Ebenso hat der Kanzler kein Interesse daran, Projekte mit zu großem Kostenaufwand durchzuführen, wie sie neuerdings projektiert werden. Interesse würde aber vorliegen für eine Ausführung in mäßigem Umfange, etwa in Größe des Projektes des Herrn Teubert, dessen Kosten auf etwa 1,3 Millionen kalkuliert sind.“ [8]
Teubert ergriff daraufhin sofort die Initiative, indem er die Briefe in seinem Sinne interpretierte und am 10.11.1933 an den Reichswirtschaftsminister schrieb: „Wie aus den anliegenden Briefen ersichtlich, hat mich Herr Keppler beauftragt ein Windkraftwerk nach meinen Vorschlägen zu bauen. Herr Staatssekretär Krohn des Reichsarbeitsministeriums hatte einen Reichszuschuss in Höhe von 2/3 der auf 1,4 Millionen geschätzten Baukosten zugesagt unter der Bedingung, dass die Baufirmen den Rest übernehmen. Die Vereinigten Stahlwerke, die zusammen mit mir, sowie der Demag, AEG, Voith, Brown-Boveri und Klein, Schanzlin & Becker die Konstruktion des Gesamtentwurfs entwickelt haben, wollen sich sogar mit 40 % beteiligen…“ [9]
All das führte aber nicht zu einer Entscheidung, denn das Reichswirtschaftsministerium, das Reichsverkehrsministerium und das Reichsfinanzministerium, die unterschiedliche Interessen und Positionen vertraten, konnten sich trotz einer Vielzahl von Treffen zur Frage der Nutzung der Windkraft nicht zu einer Befürwortung des Systems Teubert durchringen, u. a. auch deswegen, weil sie darin keine Vorteile für die Wissenschaft, die Technik und die Industrie sahen. Den Durchbruch brachte dann die Stellungnahme des „Amtes für Technik“, eine Institution der NSDAP, die bei Fragen der technischen Entwicklung entscheidenden Einfluss hatte. Der Amtsleiter Seebauer teilte am 10.7.1934 mit: „Nach Durchsicht der mir von Dr. Teubert gegebenen Unterlagen bin ich bereit, in meiner Eigenschaft als Amtsleiter des Amtes für Technik die treuhänderische Verwaltung der für Windkraftversuche ausgeworfenen M 50 000.- zu übernehmen.
Die Versuche würden durchgeführt werden auf Grund der Vorschläge des Herrn Dr. Teubert. Herr Dr. Teubert verpflichtet sich, sich jeglicher von uns gewünschten Kontrolle bei Durchführung der Versuche durch uns zu unterwerfen. Mit der Versuchssumme soll ein Windkraftturm von 100 m Raddurchmesser im Masstab 1:10 betriebsfähig gebaut werden.“ [10]
Das entsprach in den Ausmaßen ganz und gar nicht der Zielsetzung Teuberts, aber immerhin konnte jetzt eine Versuchsanlage in kleinem Maßstab in Angriff genommen werden, worauf auch drei im Bundesarchiv vorhandene technische Zeichnungen zum „Bau des Windkraftwerkes Dr. Teubert auf dem Fuchsberg“ hinweisen. [11]
Da der Ansatz, durch Recherche zur Person Teubert und zu seinen Aktivitäten etwas über das Kladower Windkraftwerk zu erfahren, nicht zu einem Erfolg geführt hatte, wurden in einem zweiten Anlauf Tageszeitungen des Jahres 1935 nach verwertbaren Angaben durchsucht. Und tatsächlich: Im Niederbarnimer Kreisblatt vom 28. Februar 1935 fand sich ein erster allgemeiner Hinweis auf einen Standort: „Deutsche Technik auf neuen Wegen: Ein ‚Windkraftwerk‘ vor den Toren Berlins […]
Nach Prüfung der von verschiedenen Seiten für die Ausnutzung der Windkraft eingereichten Vorschläge durch die beteiligten Reichsministerien hat der Reichswirtschaftsminister sich für die Förderung des Windkraftwerkes ‚Teubert‘ entschieden.“ [12] Am 5. und 6. März berichteten dann einige Zeitungen, von denen hier zwei beispielhaft in Auszügen zitiert werden, über den Baubeginn in Kladow.
Die Innsbrucker Nachrichten meldeten: „Die Windkraftwerk-Gesellschaft m. b. H. Berlin hat mit dem Bau des ersten Windkraftwerkes Teubert begonnen. Der Bau wird etwa eine halbe Stunde von Berlin bei Kladow an der Havel errichtet. Bei dieser ersten Großausführung eines Windkraftwerkes von 1000 Kilowatt Leistung erfolgt die Entnahme der im Winde enthaltenen Energie nicht durch Windturbinen oder gegenläufige Räder, sondern durch vier Flügel, die nach Art großer Flugzeutragdecken frei tragend gebaut sind. […]
Windkraftwerke dieser Bauart eignen sich besonders auch in kleineren Ausführungen für Einzelwirtschaften und landwirtschaftliche, bzw. Wassergenossenschaften.“ [13] In der Neue Zürcher Zeitung war zu lesen: „In einem Vorort der Reichshauptstadt, bei Kladow an der Havel, wird ein Windkraftwerk für eine Leistung von 1000 Kilowatt Strom errichtet. […]
Diese erste Großausführung (1000 KW) eines Windkraftwerkes, System Wilhelm Teubert, geht auf eine Anregung des Bevollmächtigten des Reichskanzlers für Wirtschaftsfragen, Ing. Wilhelm Keppler, zurück, während das Amt für Technik als treuhänderische Sachverständigenstelle mitwirkt. Um die dabei auftretenden neuen technischen Aufgaben sicher zu beherrschen, sind bei dieser Erstausführung alle Abmessungen nur etwa in der Hälfte der wirtschaftlich günstigsten Großanlage gewählt worden. […] Diese, alle phantastischen Uebertreibungen vermeidende Wahl der Höhen- und Größenmaße hat zusammen mit der durch neuartige Speicherverfahren gelungenen Ueberbrückung windschwacher Zeiten zur Folge, daß dieses Windkraftwerk im Reihenbau des größeren Normaltyps nur etwa 100 Rm. pro KW eingebauter Leistung kosten wird. […]
Der Bau wird von der Bamag-Meguin A.-G. ausgeführt. Die A. E. G. hat die gesamte elektrische Einrichtung für eine neuartige Leistungsabnahme ausgearbeitet.“ [14]
Die Deutsche Nachrichtenbüro GmbH (abgekürzt: DNB), formal zwar privat betrieben, aber in ihrer Funktion die offizielle zentrale Presseagentur zur Zeit des Nationalsozialismus, die den Redaktionen Inhalt, Aufmachung und Tonfall bei bestimmten Nachrichten vorschrieb, sah sich am 2. März 1935 veranlasst, die folgende Mitteilung herauszugeben: „Artikel über das erste grosse Windkraftwerk des Erfinders Teubert dürfen nur gebracht werden, wenn dabei weder von den Ministerien noch von dem Wirtschaftsbeauftragten des Führers, Ingenieur Keppler, die Rede ist und wenn jede Anpreisung der Wertbedeutung des Werkes unterbleibt.“ [15]
Diese Anweisung wäre aber gar nicht erforderlich gewesen, denn nach den Zeitungsartikeln vom 5. und 6. März gab es keine weiteren: keinerlei Informationen über den Baufortschritt, kein Bericht über die feierliche Eröffnung, keine Nachricht über die Einstellung des Bauvorhabens, rein gar nichts. Wie lässt sich das erklären? Eine Akte aus der Partei-Kanzlei der NSDAP vom 18.12.35 bietet eine gewisse Erklärung, denn am Ende einer knappen Zusammenfassung von Teuberts Wunsch nach einer Verlängerung der Darlehenszusage über den 1. Januar 1936 hinaus heißt es dort kurz und bündig: „endgültige Entscheidung des Pg. Seebauer (Amt für Technik), T.s Windkraftwerk nicht bauen zu lassen“. [16]
Also hat der Parteigenosse (Pg.) Seebauer, der das Amt für Technik leitete und im Juli 1934 seine Zustimmung zu den entscheidenden Krediten für die Verwirklichung der Versuchsanlage gegeben hatte (s. o.), letztlich das Bauvorhaben verhindert, ohne dass wir seine Begründung dafür kennen. Am Ende muss man also feststellen: Es hat kein Windkraftwerk in Kladow gegeben; die anderslautenden Zeitungsartikel sind darauf zurückzuführen, dass Teubert im guten Glauben, dass sein Projekt endlich umgesetzt wird, umfassende Informationen an die Presse geschickt hatte, die von einzelnen Zeitschriften ohne Überprüfung übernommen wurden.
Falls jemand enttäuscht sein sollte, dass wir in Kladow nicht auf ein historisch bedeutsames Windkraftwerk zur Stromerzeugung verweisen können, kann er sich damit trösten, dass von 1857 bis 1908 in der Nähe des Ritterfelddamms, dort, wo sich heute eine Kita befindet, immerhin ein Windkraftwerk zur Erzeugung mechanischer Energie gestanden hat: nämlich die Windmühle, die heute das Logo der Werkstatt Geschichte ist.
[1] Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 326 vom 8. September 2025.
[2] Vgl. Der Tagesspiegel, Berlin-Spandau, 3.6.2025.
[3] Deutscher Bundestag, 10. Wahlperiode, Drucksache 10/2987, Drucksache des deutschen Bundestages vom 08.03.1985.
[4] https://archive.org/stream/ger-bt-plenary-10-127/10127_djvu.txt.- Zugriff: 18.4.2025.
[5] Honnef, Hermann, Windkraftwerke und ihr Einfluß auf die deutsche Wirtschaft, Berlin 1932, S. 20.
[6] Neue Zürcher Nachrichten, 15. April 1932 Ausgabe 03.
[7] BArch R_4604_473, S. 137.
[8] BArch R_4604_473, S. 81.
[9] BArch R_4604_473, S. 139.
[10] BArch R_4604_473, S. 369
[11] BArch R 4604_474, S. 0137.
[12] Niederbarnimer Kreisblatt, Donnerstag, den 28. Februar 1935
[13] Innsbrucker Nachrichten, 5.3.1935, S. 11.
[14] Neue Zürcher Zeitung, 6. März 1935 Ausgabe 02.
[15] Bohrmann, Hans (Hrsg.), NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit. Edition und Dokumentation, Bd. 3/I: 1935, München 1987, S. 121.
[16] Akten der Partei-Kanzlei der NSDAP, Teil 1: Regesten, Bd. 1, bearbeitet von Helmut Heiber, Wien 1983, S. 142.
