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Sommer 2026 Seite 38
Carsharing in Kladow, geht das?
Auftakttreffen der Initiative „VerkehrswendeKladowJetzt“ zur Erkundung von Bedarfen und der allgemeinen Initiativbereitschaft der Kladower Bevölkerung
Lotta Kölmel und Markus Uhl
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Nachdem sich das Engagement der Initiative „VerkehrswendeKladowJetzt“ in den letzten drei Jahren vor allem auf Verkehrssicherheit der Fußgänger/Radfahrer und öffentliche Verkehrsmittel konzentrierte, fand im letzten Herbst ein Treffen zur Erkundung von möglichen Bedarfen und der allgemeinen Initiativbereitschaft der Kladower Bevölkerung statt. Impulsgeber dafür waren Gespräche mit Besucher*innen des Kladower Klimafestes im September. Rund ein Dutzend Teilnehmer*innen diskutierten verschiedene Möglichkeiten, wie z. B. ein Carsharingangebot in Kladow/Gatow aufgebaut werden könnte, um die Anzahl der Kraftfahrzeuge im Kladower Straßenverkehr zu reduzieren.
„Wir haben uns absichtlich entschlossen, ergebnisoffen in die Veranstaltung zu gehen, um die Interessen und Bedürfnisse zu erfragen“, sagt einer der Organisator*innen. Ausgangspunkt der Diskussion war das Nichtvorhandensein von kommerziellen Carsharingangeboten südlich der Heerstraße. Bei dem Treffen wurden zusammen mit den Teilnehmer*innen sämtliche Möglichkeiten von Carsharing im engeren, aber auch Fahrgemeinschaften im weiteren Sinne erörtert. Im Großen und Ganzen lässt sich die Lage grob dahingehend zusammenfassen, dass die Möglichkeiten eines kommerziellen Carsharings mit der Ausnahme von Apps kommunaler Unterstützung bedürfte. So müssten entweder die großen bestehenden kommerziellen Carsharingunternehmen – zur Not über die Verknüpfung von Bedingungen im Zuge von Konzessionsvergaben – gezwungen werden, auch den Speckgürtel abzudecken oder den kleineren Non Profit Unternehmen Fläche für Stationen sowie Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt werden. „Dadurch, dass die großen Anbieter nicht das ganze Stadtgebiet abdecken müssen, haben wir im Speckgürtel einer Millionenstadt dieselben Probleme wie Kleinstädte oder ländliche Regionen. Dem Potsdamer Norden geht es ebenso und wir sollten uns für eine Lösung hier im südlichen Spandau mit Groß Glienicke, Fahrland etc. zusammenschließen“, sagt Markus Uhl, Mitglied von „VerkehrswendeKladowJetzt“. Mit kommunaler Unterstützung ist leider mit der jetzigen Regierungskonstellation nicht zu rechnen.
Das einzige kommerzielle Angebot, das möglich erscheint, sind die Carsharing-Apps, bei denen Privatpersonen ihre Autos zur Verfügung stellen. Allerdings gibt es im südlichen Spandau bisher kein einziges registriertes Fahrzeug. Hier ließe sich natürlich ansetzen: Bürger könnten auf diese Weise für weniger Autos sorgen und ihre Fahrzeughalterkosten reduzieren. Allerdings sollte man sich auf eine App in der Region einigen, um das Angebot attraktiv zu gestalten. Darüber hinaus wäre eine Vernetzung und ideelle Unterstützung privater und zum Teil schon bestehender Carsharing-Initiativen wünschenswert. Aktuell gibt es in Kladow mehrere Familien, die sich ein Auto teilen, was sehr gut klappt. „Das ist ein Erfolg unseres Treffens. Es hat sich ergeben, dass mehrere dieser Autoteilgemeinschaften vorgestellt werden konnten, einer schickte sogar eine Videobotschaft, weil eine persönliche Teilnahme am Treffen nicht möglich war.“ Diese Gemeinschaften sind in der Organisation und Handhabe sehr divers. Je nach Gusto gibt es feste Verträge, die eine rechtliche Absicherung darstellen, andere teilen sich die Fixkosten und haben Kilometerpauschalen, um die Spritkosten zu decken oder es bestehen nur mündliche Absprachen und im Fall von Überschneidungen teilt man sich die Kosten für ein zusätzliches Mietauto. Allen gemein ist, dass die Nutzer*innen die meisten Wege mit dem Rad und dem ÖPNV bewältigen und die Erkenntnis, dass ein Auto in Kladow sowieso die meiste Zeit ungenutzt ist und unnötigen Platz verbraucht. Darüber hinaus kann durch ein geteiltes Auto ein großer Teil der Fixkosten und auch Pflegeaufwand gespart werden und eine Reduzierung der Autos auf der Straße ist meist mehr ein positiver Nebeneffekt.
Ein Carsharing mit mehreren Fahrzeugen für das südliche Spandau und gleichzeitig für das nördliche Potsdam zu installieren, wäre z .B. mithilfe eines Vereins möglich. Die Idee besteht seit den 90er Jahren und kommt ausgerechnet aus dem eher konservativ regierten Süddeutschland. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg gibt es Carsharingvereine, die mit Kommunen, Stadtwerken und Behörden etc. zusammenarbeiten, um eine Grundauslastung der Fahrzeuge zu gewährleisten. Betrachtet man realistisch die aktuelle politische Ausrichtung – moderne, zukunftsgewandte Verkehrskonzepte werden sukzessive blockiert/zurückgedreht – muss wohl das Engagement der Bürger*innen von ihnen selbst kommen. So wäre hier in Kladow eine Zusammenarbeit mit z. B. Sportvereinen, Kirchengemeinden, Schulen sowie großer Sozialträger wie dem DRK, die hier ansässig sind, denkbar, um eventuell sogar unter der Miteinbeziehung von Bestandsfahrzeugen eine tragfähige Lösung auf Vereinsbasis zu finden.
Interesse an Mitarbeit und der Verwirklichung und eigenen Ideen: verkehrswendekladowjetzt@posteo.de
